Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 50. (2003) - 200 Jahre Russisches Außenministerium

LEITSCH, Walter: Die ersten 300 Jahre in den Beziehungen zu Österreich

nommen hatte.37 Das Groteske an den Vorgängen ist, dass Polen-Litauen die Zeche für die russischen Erfolge im Krieg gegen das Osmanische Reich bezahlen musste: Alle drei - Russland, Preußen und Österreich - belohnten sich im Sinne der Gleich­gewichtspolitik mit Land,38 das nicht ihnen gehörte; da hat man die Politik des Gleichgewichts der Macht ad absurdum geführt. Da Russland große Pläne hatte, war ein weiterer Krieg gegen das Osmanische Reich unvermeidbar. Daher kehrte auch Katharina II. wieder zur alten Außenpolitik Russlands des 18. Jahrhunderts zurück. Sie gab die Zusammenarbeit mit Preußen auf und schloss im Jahre 1781 einen Vertrag mit Österreich.19 Wieso Joseph II. auf alle die weit reichenden Pläne Katharinas einging, kann ich mir nicht erklären. Der gemeinsame Krieg gegen das Osmanische Reich war für Österreich nicht erfolg­reich, sehr wohl aber für Russland. Josephs Bruder und Nachfolger hat dann auch die alte enge Zusammenarbeit mit Russland aufgegeben.* 40 Die neue Zusammenar­beit kam dann unter ganz anderen Voraussetzungen zu Stande. Nur noch bei der dritten und letzten Teilung Polens kooperierte man noch,41 gleichsam zum Ab­schluss der traditionellen Zusammenarbeit in der alten Welt. Diese Zusammenarbeit erstreckte sich über das ganze 18. Jahrhundert und war über längere Perioden eine Konstante in einer sich schnell wandelnden Welt. In seinem Kommentar zum Abkommen des Jahres 1726 schrieb Gaston Zeller: „La nouvelle alliance austro- russe va devenir l'un des éléments permanents de la politique européenne.“42 Sein Blick war auf Gesamteuropa gerichtet, er konnte daher besser als andere den Wert dieser Allianz erkennen. Die ersten 300 Jahre in den Beziehungen Russlands zu Österreich S ta vri a nos : S. 187-192. 18 Konopczynski:2, S. 326-334; Müller, Michael G.: Die Teilungen Polens 1772. 1793. 1795. München (1984); Cegi el sk i, Tadeusz: Das alte Reich und die erste Teilung Polens 1768-1774. Stuttgart, Warszawa 1988; Aretin, Karl Otmar Freiherr v.: Tausch, Teilung und Länderschacher als Folgen des Gleichgewichtssystems der europäischen Grossmächte. Die Polnischen Teilungen als europäisches Schicksal, in: Jahrbücher für die Geschichte Mittel- u. Ostdeutschlands 30 (1981), S. 53-68. 19 Siehe die in Anm. 8 zitierte Arbeit von Madariaga. 40 Stavrianos: S. 192-197. 41 Góralski, Zbigniew: Austria a trzeci rozbiór Polski. Warszawa 1979. Österreich beteiligte sich nicht an der zweiten Teilung Polens. Lord, Robert Howard: The second partition of Poland. A study in diplomatic history, Cambridge 1915. 42 Zeller, Gaston: Histoire de relations internationales. Tome troisiéme: Les temps modemes II. De Louis XIV ä 1789, Paris (1955), S. 181. Dieser Meinung schloss sich auch Dieter Emst Bangert an. Siehe Anm. 34. 77

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