Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv
TEPPERBERG, Christoph: Das Militärmatrikelwesen in Österreich
DAS MILITARMATRIKELWESEN IN ÖSTERREICH von Christoph Tepperberg Das Kriegsarchiv verwahrt umfangreiche und bedeutende Aktenfonds zur Personengeschichtsforschung. Einer dieser Fonds sind die Militärmatriken. Die folgenden Beiträge von Karl Tafemer und Renate Domnanich bieten eine Aufstellungsübersicht dieses Bestandes und zeigen die im Kriegsarchiv bestehenden Möglichkeiten zur personengeschichtlichen Forschung. Zunächst aber sollen die rechtlich-organisatorischen Grundlagen und die Entstehung dieser Kirchenbücher erläutert werden. I. Die österreichische Militärseelsorge in administrativer Hinsicht Bereits vor der Errichtung eines stehenden habsburgischen Heeres im Jahre 1649 gab es Ansätze zu einer Militärseelsorge. Die kaiserlichen Landsknechtshaufen des 16. Jahrhunderts hatten während ihrer Feldzüge auch Geistliche unter Sold. Die Regimenter („Fähnlein“) wurden aber nur für die Dauer des Feldzuges geworben und danach wieder entlassen. Entsprechend wurden auch ihre Feldkapläne nur für die Dauer des Feldzuges engagiert. Von einem geordneten Seelsorge- und Matrikelwesen konnte unter diesen Umständen noch nicht die Rede sein.' Eine Änderung trat erst während des Dreißigjährigen Krieges ein. Zunächst kam es zu einer regelmäßigeren Anstellung von Seelsorgern und Generalvikaren,1 2 und als durch die lange Dauer des Krieges eine größere Anzahl kaiserlicher Regimenter längere Zeit hindurch unter den Fahnen blieb, wandelte sich die Militärseelsorge zu einer dauernden Einrichtung. Am 18. September 1643 wurden durch ein päpstliches Breve alle Personen, „qui in castris degunt et castra sequuntur“ für die Dauer 1 Bjelik, Emerich: Geschichte der k. u. k. Militär-Seelsorge und des Apostolischen Feld- Vicariates. Wien 1901, S. 2 - 7, vgl. auch Narnhofer, Julius: Die historischen Grundlagen der Militännatrikeltuhrung der ehemaligen österreichisch-ungarischen Armee, ln: Familie, Sippe, Volk 7 (1941), S. 141 f„ hier S. 141. Der Beitrag wurde in geringfügig gekürzter Form wortwörtlich übernommen von Kinzl, Karl: Darstellung der historischen Grundlagen der Matriken- Führung in der österreichisch-ungarischen Armee, ln: Inventar des Kriegsarchivs Wien, Bd. 1.2. Wien 1953, Bd. 2, S. 126- 128. 2 Kaiserliche Bestallungsurkunden aus den Jahren 1623, 1634, 1639 und 1643, vgl. Bjelik: Militär-Seelsorge, S. 18 - 20. Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49/2001 59