Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv
EGGER, Rainer: Das Kriegsarchiv vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg
Viele Aufgaben standen dem neuen Archivdirektor bevor: • die Durchsicht und Sicherstellung von serbischen Beuteakten in Belgrad durch eine Kommission unter dem Vorsitz von Oberst Hugo Kerchnawe; das Kriegsarchiv war dabei durch Oberstleutnant Josef Paldus vertreten.22 * • die Mitwirkung an einem unter der Leitung des Feldzeugmeisters Josef Edler von Czeipek geplanten Werkes über die „Technik im Weltkrieg“, das im Verlag Seidel und Sohn erscheinen sollte. In der Folge ergab sich aber nicht viel Zusammenarbeit mit dem Archiv, das unter der Leitung der 10. Abteilung des Kriegsministeriums bearbeitete große Werk stand eher in Konkurrenz zu den Arbeiten des Archivs. Dabei galten diese Forschungen Bereichen, die in der bisherigen österreichischen Militärgeschichtsschreibung eher stiefmütterlich behandelt worden waren: der technischen Ausrüstung der Armee, ihrer Bewaffnung und der gesamten Kriegswirtschaft. Schließlich kam es bis Kriegsende zu keiner Veröffentlichung.21 Eng war Hoens Zusammenarbeit mit den korrespondierenden deutschen Stellen in Bezug auf die Bearbeitung der Akten des gegenwärtigen Krieges, im Februar 1916 besuchte Hoen in Begleitung von Veltzé und Zitterhofer Berlin und studierte dort die Arbeit der „Prüfstelle für Kriegsakten“, die nach seiner Ansicht als Vorbild für Wien dienen konnte, namentlich eine Gruppe, welche mit den im Kriege sich ständig ändernden Kriegsgliederungen befasst war, regte zur Nachahmung an. Auch im AOK fanden die Anregungen, deutsche Erfahrungen auf das Wiener Archiv zu übertragen durchaus Zustimmung.24 Aber auch die deutschen Generalstäbler waren von dem Wiener Archiv beeindruckt, im November 1916 besuchte der preußische Generalstabsmajor Nicolai Wien zwecks Besprechung von Kriegspresse- und Nachrichtendienstangelegenheiten. Dabei kam es auch zu einem Besuch des Kriegsarchivs.25 Man arbeitete auch immer wieder auf verschiedenen Geleisen: die Nachrichtenabteilung des AOK forderte ihrerseits die Truppen zur Schilderung besonders Das Kriegsarchiv vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg Hoen spricht von sich immer in der 3. Person nimmt er aber auch sehr kritisch zu den einzelnen Vorgängen und den behandelten Personen Stellung. Im Zusammenhalt mit den amtlichen Akten stellt diese Chronik einen hervorragende Quelle zur Geschichte des Archivs aber auch darüber hinaus zur Geschichte des Weltkrieges und besonders der Umsturzzeit nach 1918 dar. 22 KA, Hoen-Chronik II, S. 52, S. 110. 21 E ben da , II, S. 60, S. 102, S. 193, S. 258, Beilage 195; vgl. dazu S t ei nböc k, Erwin: Der Plan eines österreichischen kriegstechnischen Geschichtswerkes über den Ersten Weltkrieg. In: Militaria Austriaca 3 (1979), S. 91 - 94 und den Archivbehelf: Ms-Technik im Weltkrieg. 24 KA, Hoen-Chronik II, S. 62 f., Beilage 22. 25 Ebenda, S. 118. 19