Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)

AUER, Leopold: Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv und die Geschichtswissenschaft. Zum 250 jährigen Jubiläum seiner Gründung

Leopold Auer blemen der italienischen Politik, Manfred Botzenhart hat die wichtige Botschafter­zeit Metternichs in Paris untersucht, der Brite Alan Palmer schließlich eine moder­ne, punktuell aus den Quellen erarbeitete Überblicksbiographie vorgelegt37 38 39. Ein wichtiger Name der neuen Metternich-Forschung dieser Zeit kann in keine Bezie­hung zum Haus-, Hof- und Staatsarchiv gesetzt werden, oder wie man sieht besten­falls ex negativo. Das Buch Henry Kissingers „A World Restored“18, das später auch eine gewisse programmatische Bedeutung für seine eigene Politik als ameri­kanischer Außenminister erlangt hat, ist fern vom Minoritenplatz und ohne Ar­chivmaterial entstanden. Großen Synthesen ist die Archivforschung manchmal etwas hinderlich, und vielleicht hätte sich die eine oder andere These von Kissin­gers Buch im Lichte des Archivmaterials auch nicht halten lassen. Diese vier Beispiele sollten Ihnen, wie gesagt, die vielfach enge Verschränkung zwischen österreichischer und europäischer Geschichte an der Rolle großer Per­sönlichkeiten des 15. - 19. Jahrhunderts und zugleich die dazu am Minoritenplatz vorhandenen Forschungsmöglichkeiten vor Augen fuhren. Darüber hinaus gibt es wohl kein europäisches Land, zu dem sich im Haus-, Hof- und Staatsarchiv nicht interessantes Material finden ließe. In ganz besonderem Maße gilt dies aber für die Länder des Mittelmeerraumes und des Balkans. Das enge Zusammenwirken zwi­schen den habsburgischen Linien in Wien und Madrid hat naturgemäß sehr viel Schriftgut zur spanischen Geschichte entstehen lassen. Für das 17. Jahrhundert wurde vieles davon schon durch die Forschungen Alfred Francis Pribrams aufgear- beitet3'). Österreichische Botschaftsberichte aus Madrid des 18. Jahrhunderts veröf­fentlicht seit vielen Jahren die deutsche Görres-Gesellschaft, während sich mit der Aufarbeitung von Berichten des 16. Jahrhunderts seit einigen Jahren Wiener Histo­riker unter der Leitung von Alfred Kohler und Friedrich Edelmayer beschäftigen40. 37 Schroeder, Paul W.: Mettemich’s Diplomacy at its Zenith 1820-23, Austin 1962; Kraehe, Enno: Mettemich’s German Policy. 2 Bde. Princeton 1963-83; Reinerman, Alan: Austria and the Papacy in the Age of Metternich. 2 Bde. Washington 1979-89; B er t i e r de Sauvigny, Guillaume: Metternich et la France aprés le Congrés de Vienne. 3 Bde. Paris 1968-71; Ara, An­gelo: Metternich tra Luigi Carlo Farini e il principe Girolamo, Faenza 1978; Botzenhart, Manfred: Metternichs Pariser Botschafterzeit, Münster 1966; Palmer, Alan: Metternich. Lon­don 1972. 38 Kissinger, Henry: A world restored. Metternich, Castlereagh and the Problems of Peace 1812- 22. Boston 1957. 39 Vgl. vor allem sein wohl bekanntestes Werk: Franz Paul Freiherr von Lisola (1613-1674) und die Politik seiner Zeit. Leipzig 1894, und die von ihm zusam­men mit Moritz Landwehr von Pragenau herausgegebene Privatkorrespndenz Leopolds I. mit dem als Botschafter in Madrid tätigen Grafen Pötting. In: Fontes Rerum Austriacarum 11/56 und 57, Wien 1903-1904. 411 Vgl. Juretschke, H. (Hrsg): Berichte der diplomatischen Vertreter des Wiener Hofes aus Spanien in der Regierungszeit Karls 111. 14 Bde. Madrid 1970-1988; Korrespondenz der Kaiser mit ihren Gesandten in S p an i en . Hrsg, von Friedrich Edelmayer, Bd. I: Der 64

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