Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)
TELESKO, Werner: Die Seitenbilder der Marienkirche in Sulz im Wienerwald. Ein Beitrag zur Frömmigkeitsgeschichte im maria-theresianischen Zeitalter
Werner Telesko der Barmherzigkeit, abtötung, büß, lesung alt und neu testament, heilige Väter, kir- chengeschichte, leben der heiligen [...].1,0 Die hier hervorgehobenen Punkte stehen in offensichtlichem Widerspruch zur oben skizzierten geistlichen Prioritätenliste ihres Gemahls. Besonders hinsichtlich des Sakramentenempfangs scheint bei Maria Theresia die jesuitische Position entgegen Amaulds Verneinung des häufigen Empfangs der hl. Kommunion in dessen Werk „De la frequente Communion“ (1643) im Vordergrund zu stehen. Dies zeigt, dass eine Differenzierung der geistlichen Interessen von Maria Theresia auf der einen Seite und von Franz Stephan auf der anderen Seite für die Beurteilung der kunst- und religionspolitischen Aktivitäten des Kaiserpaares notwendig erscheint1“. 5. Der Einfluss des Jesuitenpaters Ignaz Parhamer Die zentrale Frage, wie man sich die Entstehungsgeschichte der für Laxenburg angefertigten und heute in der Pfarrkirche in Sulz befindlichen Seitenaltarbilder vorzustellen hat, muss mit einem Blick auf den aktuellen Konflikt zwischen Jesuiten und Jansenisten veranschaulicht werden. In Bezug auf die bildende Kunst nahm der Jansenismus eine rigorose Haltung ein, da nach jansenistischer Anschauung die Kunst mit der Natur und den Sinnen verknüpft ist, die ihrerseits seit dem Sündenfall als verderbt gelten. Die Ausmalung der Kuppel der Augustiner- Chorherrenstiftskirche von Herzogenburg (NÖ) durch Bartolomeo Altomonte (1754/1755) und das dominante Herausstellen der dort auf der als alleingültig angesehenen Basis der Hl. Schrift und der Kirchenväter verbildlichten Grundgedanken „Kirche“ und „evangelische Verkündigung und Seelsorge“ hat Karl Möseneder als „Beispiel einer neuen Spiritualität“ gewertet und ideengeschichtlich in den weiteren Umkreis Muratoris und des jansenistisch orientierten österreichischen Reformkatholizismus gestellt“2. In diesem Zusammenhang stellt sich aber auch die Frage, ob von einer ,jansenistischen Kunst“ im eigentlichen Sinn überhaupt gesprochen werden kann oder ob der hier manifeste innerkatholische Reformanspruch nicht die bildende Kunst in ihrer Bedeutung generell zurückzustufen versuchte. Die jansenistische Position war deshalb bestrebt, typische - auch vom Jesuitenorden propagierte - Charakteristika des Barockkatholizismus wie den „Bilderkult“ der Heiligenverehrung und die reiche Auszierung der Kirchen zurückzudrängen“1. Besondere Bedeutung hinsichtlich der Beurteilung der Laxenburger Gemälde und der Ikonographie des Jesuitenheiligen Franz Xaver gewinnen Elemente in den 110 * 112 113 110 Zitiert nach: Walter: Stellung, S. 38. 1,1 Hersche: Spätjansenismus, S. 159. 112 Möseneder: Altomonte, S. 64, 77, Abb. 4; zur theologischen Haltung des Jansenismus zur bildenden Kunst: Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, hrsg. von Kurt Galling. Bd. 1-7. Tübingen 3. Aufl. 1959, Bd. 3, Sp. 531-535, hier Sp. 534 (Paul Honigsheim). 113 Hersche: Spätjansenismus, S. 369, 371; H e i n z : Veränderungen, S. 359. 398