Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)

TELESKO, Werner: Die Seitenbilder der Marienkirche in Sulz im Wienerwald. Ein Beitrag zur Frömmigkeitsgeschichte im maria-theresianischen Zeitalter

Werner Telesko Zudem muss die Entstehung des Gemäldes mit der hl. Theresia von Avila vor dem Hintergrund der liturgischen Verehrung der Heiligen im 18. Jahrhundert be­leuchtet werden. Dabei wird die steigende Bedeutung des Kultes der hl. Theresia im 18. Jahrhundert besonders deutlich: Im Jahre 1700 erlangten die Karmeliter ein „Officium Proprium“, 1720 auch eine „Missa Propria“, für die Papst Pius VI. im Jahr 1794 eine eigene Präfation erlaubte. 1726 konzedierte Papst Benedikt XIII. den Karmelitern auch das Fest der Transverberation in Erinnerung an die mystische Gnade, die der Heiligen zuteil wurde. Für dieses Fest wurden im Jahr 1788 Offizi­um und Messe approbiert* 10. Das Tridentinische Offizium sah das Fest der Heiligen für den 15. Oktober vor und beinhaltete die Transverberation durch den Engel als einen zentralen inhaltlichen Bestandteil der Feier: Tanto autem divini amoris incendio cor ejus conflagravit, ut merito viderit Angelum ignito jaculo sibi praecordia transverberantem, et audierit Christum data dextera dicen­tem sibi: Deinceps ut vera sponsa meum zelabis honorem31. Die Abweichung vom traditionellen - und auch in der Brevierformel betonten - Transverberationstypus im Laxenburger Gemälde ist somit auffällig. Die Bezie­hung der Kaiserin zur Heiligen wird nicht allein in diesem Gemälde und im Heili­genpatronat begründet, sondern dürfte im Leben Maria Theresias eine weitere Di­mension besitzen. Der hagiographisch-biographische Bezug, der bereits in Gleims „Preußischen Kriegsliedem von einem Grenadier“ mit dem Passus „Dann liebt der Kriegesmann / die heilige Theresia, / dann betet er sie an.“ deutlich hergestellt wird, findet eine Bestätigung in einer Kreideskizze, die angeblich von der Kaiserin angefertigt wurde und sich in der Graphischen Sammlung Albertina in Wien befin­det (Fürstliche Dilettanten, Bd. 12, I. Nr. 13.620),2. Das fälschlich mit „Mutter Gottes“ bezeichnete Blatt gibt eindeutig die Vision einer Heiligen wieder und die Tracht der Heiligen mit Habit, Mantel und Schleier verweist auf die Zugehörigkeit der Dargestellten zum Karmeliterorden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit darf in der Heiligen die hl. Theresia von Avila erkannt werden. Den einzigen Datierungshin­weis gibt ein Vermerk einer Tochter von Maria Theresia, Marie Christine (* 1742), am Rand des Passepartouts: „gezeichnet von meiner Lieben Mutter als Ertzh.“11 12 Die hier S. 43 f.; Schönert, Jörg: Schlachtgesänge vom Kanapee oder „Gott donnerte bei Lowo- sitz“. Zu den „Preußischen Kriegsliedem in den Feldzügen 1756 und 1757“ des Kanonikus Gleim. In: Gedichte und Interpretationen, hrsg. von Karl Richter. Bd. 1-6. Stuttgart 1983, Bd. 2: Aufklä­rung und Sturm und Drang, S. 126-139. 10 Biblioteca Sanctorum. Roma 1969. Bd. 12, Sp. 395-412, hier Sp. 409 f. (Valentino di S. Maria). 31 Breviarium Romanum ex decreto Sacrosancti Concilii Tridentini restitutum S. Pii V Pontificis Maximi jussu editum aliorumque Pontificum cura recognitum Pii Papae X auctoritate reformatum, pars autumnalis. Ratisbonae-Romae 1914, S. 593. 12 Abbildung in: Mraz, Gerda - Mraz, Gottfried: Maria Theresia - Ihr Leben und ihre Zeit in Bildern und Dokumenten. München 1979, S. 24 (unten), vgl. S. 345. 33 Ebenda. 386

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