Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)

TELESKO, Werner: Die Seitenbilder der Marienkirche in Sulz im Wienerwald. Ein Beitrag zur Frömmigkeitsgeschichte im maria-theresianischen Zeitalter

Wemer Telesko dass Kaiser Joseph II. gerade dort, wo es sich um Stiftungen seiner Vorfahren han­delte, besonders bilderfeindlich vorging25. Die Beziehung zu Laxenburg ist insofern plausibel, da die Habsburger mit diesem Ort seit den Zeiten Leopolds I. eng ver­bunden waren und das Kaiserpaar Franz I. Stephan und Maria Theresia seit 1756 den „Blauen Hof ‘ vergrößern und ausbauen ließ2*’. Auch aus der Ikonographie der Gemälde selbst spricht deutlich ein Bezug zum Kaiserhaus. Die Heiligen Theresia von Avila und Franz Xaver, Heilige der Gegenreformation, sind zugleich die Na­menspatrone des Kaiserpaares Franz I. Stephan von Lothringen (t 1765) und Maria Theresia (f 1780). Die Heiligenikonographie hier wird zum Anlass genommen, um ausgehend von der Funktion der Namenspatrone die öffentliche Funktion der „Pietas Austriaca“ zu beschwören. 3. Die Ikonographie der Gemälde in der Pfarrkirche von Sulz Die Ikonographie der beiden Gemälde darf als außergewöhnlich bezeichnet wer­den. Die Ekstase bzw. Vision der hl. Theresia von Avila27 28 entspricht nicht dem üblichen und besonders seit Gianlorenzo Beminis Plastik in der römischen Kirche S. Maria della Vittoria (1646) ausgebildeten und in allen Gattungen verbreiteten Kanon2*. Die hl. Theresia, die von einem Engel zu ihrer Rechten gestützt wird, hält die Arme ausgesteckt und ist zum Betrachter gekehrt. Diese visionäre Haltung erscheint durch die Gestik der Arme mit den zum Betrachter gekehrten Handflä­25 Springer: Pfarrkirche Laxenburg, S. 14. 26 Springer, Elisabeth: Historischer Überblick, ln: Laxenburger Kultur-Parcours. Ein Führer zu fünfzig historischen Gebäuden und Denkmälern des Ortes. Laxenburg 1996, S. 2-4, hier S. 3; Suttner, Maria Ingeborg: Laxenburg 1683-1740: Kaiserresidenz - Adelssitz - Bauerndorf. Dipl. Wien 1992, S. 52-71; Kabele, Daniela-Katharina: Die Ortsgeschichte von Laxenburg zurZeit Maria Theresias. Dipl. Wien 1998, S. 24. 27 Zur Ikonographie der hl. Theresia von Avila: Biblioteca Sanctorum . Bd. 12, Roma 1969. Sp. 412-419 (Pietro Cannata); Pi gl er, Andreas: Barockthemen - eine Auswahl von Verzeichnis­sen zur Ikonographie des 17. und 18. Jahrhunderts. Bd. 1-3. Budapest 2. Aufl. 1974, Bd. 1, S. 470-472; Lexikon der christlichen Ikonographie, Sp. 463-468 (Barbara Böhm); Telesko, Wemer (Bearb.): Katalog: Thesenblätter österreichischer Universitäten, Salzburger Barockmuseum. Salzburg 1996 (Schriften des Salzburger Barockmuseums 21), S. 118-122, Nr. 15 (mit Literatur). 28 Wittkower, Rudolf: Gian Lorenzo Bernini. The Sculptor of the Roman Baroque. London 1955, S. 207-209, Nr. 48, fig. 67; Telesko: Thesenblätter, S. 118-120. Die Ikonographie der Transverberation bleibt vom 16. bis in das 18. Jahrhundert außerordentlich konstant, wie ein Stich von Anton Wierix d. J. (t 1624 ?) [Mauquoy-Hendrickx, Marie: Les estampes des Wierix er conservées au cabinet des estampes de la Bibliothéque Royale Albert 1 . Bd. 1-4. Bruxelles 1979, Bd. 2, Nr. 1295, pl. 170], ein Gemälde von Gerard Seghers (+ 1651) im Königlichen Museum der Schönen Künste in Antwerpen (Knipping OFM, John Baptist: Iconography of the Counter Re­formation in the Netherlands. Bd. 1-2. Nieuwkoop Leiden 1974, Bd. 1, S. 158, pl. 157) und ein 1771 datiertes Gemälde von Joseph Wannenmacher (t 1780) im Museum der Stadt Ulm (Erster Bericht des Museums der Stadt Ulm 1925, erstattet von der Direktion. Ulm 1925 [Ulmer Schriften zur Kunstgeschichte 2], S. 23, Abb. 11) zeigen. 384

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