Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)
LILLA, Joachim: Die Vertretung Österreichs im Großdeutschen Reichstag
Joachim Lilla Reichsstatthalter in Österreich und Führer der österreichischen Landesregierung Dr. Arthur Seyß-Inquart, sein Vertreter Edmund Glaise von Horstenau und die weiteren Mitglieder der österreichischen Landesregierung (Dr. Hans Fischböck, Dr. Franz Hueber, Dr. Hugo Jury, Hubert Klausner, Anton Reinthaller). Des Weiteren gehörten der „Liste 1“ aus Österreich an: der Stabsleiter der Landesleitung Österreich (und spätere Wiener Gauleiter) Odilo Globocnik, der Führer des SS-Oberabschnitts Österreich, Dr. Emst Kaltenbrunner, der gewesene österreichische Landesleiter Gauleiter a. D. Josef Leopold, der Leiter des politischen Amtes der Landesleitung Österreich (und spätere Gauleiter in Salzburg bzw. Kärnten) Dr. Friedrich Rainer, als Repräsentanten der „großdeutschen“ Gesinnung in Österreich schließlich der pensionierte k. u. k. General Alfred Krauß und der Wiener Historiker (und spätere Präsident der Akademie der Wissenschaften) Professor Dr. Heinrich Ritter von Srbik. Auffallend ist, dass auf der „Liste II“ (also die Liste der Kandidaten, deren Einzug in den Reichstag mehr oder weniger sicher war) kein Bewerber aus Österreich genannt ist. Dies darf nicht so interpretiert werden, als ob weiteren Bewerbern aus Österreich der Einzug in den Reichstag verwehrt werden sollte. Die nur für das „Altreich“ erstellte „Liste II“ dürfte vermutlich im Hinblick auf die diversen, zu berücksichtigenden Interessen dergestalt „ausgewogen“ gewesen sein, dass die Berücksichtigung zusätzlicher Bewerber aus Österreich das kunstvoll erstellte Gefüge zerstört hätte. So verfiel Frick wohl auf den Gedanken, die übrigen Bewerber aus Österreich sämtlich auf „Liste III“ zu platzieren. Bei den auf „Liste III“ platzierten 16647 Bewerbern aus Österreich fallen - im Vergleich mit den Bewerbern aus dem „Altreich“ - einige Unterschiede auf*. Auf 47 Der 167. auf der Liste aufgeführte Bewerber (Nr. 798, Hermann Behrends) stammte aus dem „Altreich“ und rückte später im Wahlkreis Österreich nach. 48 Diese 166 Kandidaten verteilen sich folgendermaßen auf die einzelnen österreichischen Bundesländer: absolut in v. H. NSDAP-Mitglieder Ende 1938 (in v. H. ) Burgenland 8 4, 83Kärnten 15 9,04 15,42 Niederösterreich 14 8, 43 36, 31 Oberösterreich 13 7, 83 1, 73 Salzburg 18 10, 84 1,30 Steiermark 22 13, 25 21, 19 Tirol 10 6,02 3,22 Vorarlberg 5 3,01Wien 55 33, 13 20, 83 Auswärtige (Reichsgebiet) 6 3, 61166 100,00 100, 00 Wie sich zeigt, ist Wien - insbesondere auch im Vergleich mit seinem Anteil an der NSDAP- Mitgliederschaft (Berechnung der NSDAP-Mitglieder nach Luza: S. 328, Tabelle 7) - überproportional vertreten. 238