Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. vom Kurfürsten von Bayern als Chef der katholischen Liga und Generalissimus ein Regiment unter seinem Kommando.442 Die Wünsche erfüllen sich nicht, dafür aber erhält er einige Ehrentitel: Im August kann er sich Kämmerer und Obrist von Fer­dinand II., und auch Kämmerer von Erzherzog Maximilian nennen.44’ Für das Jahr 1622 sind die Kosten seiner Hofhaltung besonders gut dokumen­tiert - sie geben ein Bild eines fürstlichen Hofes, an dem Aufwand und Kleiderlu­xus auch hohe Einnahmen in kürzester Zeit auffressen, - eines Fasses ohne Boden. Zunächst fließen die Einnahmen reichlich. Wir hören von einer Forderung von 24 000 Gulden, die ihm der Hofhandelsmann Alexander di Ferrari cediert hat. Da­für will er zuerst ein Rebellengut444, dann aber, am 7. Mai, bittet er darum, daß ihm die Summe aus dem böhmischen Münzgefalle bezahlt werde.445 Danach wird diese Summe nicht mehr erwähnt, was vermuten läßt, daß er das Geld erhalten hat. Ende August ist Matthias schon wieder pleite. Er schickt Hans Philipp Schnepf, seinen Hofmeister, zu Ferrari und gibt ihm folgendes Schreiben mit: In sunder lieber Herr Ferrari. Ich bitt, der Herr wolle mich nit steckhen lassen, dann ich mich auf den Herrn gänzlichen verlassen. Habe nit mehr als 4 Gulden noch im Haus. Bitt und ersuch derentwegen den Herrn er wolle keine Dificultett machen, son­dern in Abschlag der 1 000 Gulden noch ferners darstreckhen. Will soliches dem Herrn unfalbarlich zustellen, wie ich dann heut von Linz ein Pötten erwarte [...] In der Zeit vom 21. August bis zum 28. September erhält er von Ferrari 650 Gul­den vorgestreckt - angeblich nur bis die 1 000 Gulden von seinem Deputat aus Linz eintreffen - tatsächlich aber bis zu seinem Ableben. Einmal erhält er 19 ganze Taler - den Taler zu 3 Gulden 15x gerechnet. Ferrari tut dies nicht aus Liebe, son­dern für 7 % Zinsen. Auch bei Hans Grieskirchner, dem Einnehmer der Geistlichen Kontribution, nimmt Matthias 732 Gulden zu 7 % Zinsen auf. Ein anderer Geldge­ber ist der italienische Handelsmann Anton Moscon, den er am 20. September um 170 Gulden anpumpt.446 Sein Hauptgläubiger und Hauptlieferant im Jahr 1622 aber ist Alessandro Pestaluzzi, Wiener Rat, Salzamtmann und Hofhandelsmann. Dieser ist nicht nur Kaufmann, sondern auch der Bankier von Don Matthias - der schickt des öfteren jemanden um Geld zu ihm hin und dafür gibt er seinen Bekannten und Dienern die Möglichkeit bei Pestaluzzi auf seine Kosten einzukaufen. Daß diese Art der Geldaufnahme teuer kommt ist einleuchtend. Schuld an der Misere ist, nach der Meinung von Matthias, das unregelmäßige Eintreffen seines Deputats, das jeweils am 24. August fällig wäre. Drei Tage nach dem Fälligkeitstermin befiehlt die Hofkammer, daß Don Matthias sein Deputat von 20 000 Gulden pünktlich, vor den anderen erhalten soll, als eine Prioritäts-Sache 442 HHStA, Ältere Zeremoniala., Karton 2, fol. 72 f. 445 HKA, Nö. K, 1648 Feb 25, fol. 14. 444 HKA, HF, r. Nr. 185, 1622 Jan 11, fol. 1. 445 HKA, HF, r. Nr. 186, 1622 Mai 7, fol. 1-3. 446 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 168, 179, 196 und 214. 75

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