Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. erhalte.4'1 Die Stände Schlesiens hatten nach der Schlacht am Weißen Berge nichts zu lachen und mußten viel Geld bezahlen. Erzherzog Karl, der jüngste Bruder von Ferdinand II., war in seiner Eigenschaft als Bischof von Breslau überdies bestrebt in Schlesien die Gegenreform durchzuführen. Im Dezember 1621 erhält Matthias endlich ein geregeltes Jahresdeputat: 20 000 Gulden, zahlbar ab Bartholomäus instehenden Jahres, also rückwirkend mit 24. August 1621. Schon im Oktober wird er mit der glücklichen Nachricht bekannt gemacht - er durfte sich auch die Ämter, auf die er angewiesen werden würde, selbst aussuchen. Er wählte die Ämter, die auch Erzherzog Albrecht mit Geld ver­sorgten, nämlich das Vizedomamt und Mautamt Linz, das Rentamt Steyr und die Aufschlägerämter Vöcklabruck und Engelhartszell. Damit hätte er sich wohl selbst nichts Gutes getan, denn die Buchhaltung berichtete, daß das Vizedomamt Linz mit Anweisungen über 207 409 Gulden belastet sei, darunter vili Prioritet-Posten als Besoldungen, Provisionen, Gottsgaben, Interesse und dergleichen, welche alle einer neuen Anweisung schwärlich weichen werden. Ähnliches gilt von anderen Ämtern: das Aufschlägeramt Engelhartszell ist gar mit 712 633 Gulden belastet, das Rentamt Steyr mit über 200 000 Gulden. Ferdinand II. resolviert schließlich am 18. Dezember, daß Matthias 6 000 Gulden von Ungarisch Altenburg, 4 000 von der Maut Linz, 8 000 vom Rentamt Steyr und je 1 000 vom den Ämtern Engelhartszell und Vöcklabruck erhalten soll. Besonders die Anweisung auf das Amt Steyr scheint ungünstig gewesen zu sein, denn Matthias will sie gleich gegen eine An­weisung auf die Wiener Münze tauschen. Die Hofkammer lehnte dies aber ab, weil das Münzgefalle für das Kriegswesen reserviert sei.452 Am 25. Jänner 1622 erhält Matthias dann eine neue kaiserliche Resolution, die ebenfalls mit dem 18. Dezem­ber 1621 datiert wird; darin werden die 8 000 Gulden aus Steyr durch weitere 3 000 Gulden von Ungarisch Altenburg, 3 000 von der Maut Stein und 2 000 von der Maut Ybbs ersetzt. Die von Ferdinand II. befohlene Lösung ist für Matthias sicherlich besser, denn so ist er mit seinen Einnahmen nicht nur auf Oberöster­reich - das an Bayern verpfändet wird - angewiesen.4” Zu beachten ist allerdings, daß es sich bei den 20 000 Gulden um „langes Geld“, also Inflationsgeld, handelt. Der gute Reichstaler, normalerweise 90 Kreuzer, wur­de mit Beginn des Dreißigjährigen Krieges mit 108 Kreuzern, im Lauf des Jahres 1620 mit 140 und 1621 mit 390 Kreuzern gehandelt. In den Jahren 1622 und 1623 erreichte die Inflation mit nahezu wertlosen 600 Kreuzern für den Taler ihren Hö­hepunkt, um dann wieder zu 90 guten Kreuzern zurückzukehren.4’4 Langsam nur beginnen die Gelder aus den verschiedenen Ämtern einzulaufen: 431 432 433 434 431 HKA, HF, r. Nr. 183, 1621 Aug 9, fol. 1. 432 HKA, Konv. Don Matthias, fol. I-V. 433 HKA, HF, r. Nr. 184, 1621 Dez 18, fol. 1-13 und Nö. K. 1624 Jan 5, fol. 26. 434 HKA, Beeriana 1 /3a. 73

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