Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. legitime nati, vihl weniger die legitimati angedeutete Hochhait nit erlangen mögen.4"9 Matthias reist dann nach Wien zurück, während Khevenhüller das Hochzeitsprojekt weiterhin verfolgt. Ein umfangreicher Briefwechsel zwischen Khevenhüller, Ferdinand II., Erzherzog Albrecht, dem König von Spanien, Dona Ana, der Erzherzogin Margareta, Questenberg, Don Francisco Fürst von Butera (Vater der Braut), Donna Juana (Mutter der Braut), der Infantin Isabella und Philibert von Savoyen (Vizekönig in Neapel) fördert das Projekt nach Kräften. Um die Erbtochter bewerben sich etliche Granden. Die Erzherzogin Margareta frägt an, ob nicht auch Don Karl in Frage käme, eine Anfrage, die Matthias gar nit gern vernummen. Durch verschiedene Intercessionen vom Kaiser, Erzherzog Albrecht, Infantin Margereta und Isabella kann Don Matthias die einflußreiche Dona Ana wieder versöhnen. Sie tut für ihn das Äußerste - sie hat Khevenhüller mitgeteilt, daß ihr Schwager, der Fürst von Butera für die Heiratstraktion eine eigene Person mit Vollmacht zu ihr schicken will. Desgleichen soll Don Matthias schleunigst eine solche Person mit poder zu ihr schicken. Auch der Kaiser soll dies tun, denn es gibt ansehnliche Compeditores und die vornehmsten Minister wollen die Heirat mit Don Matthias verhindern."0 Der Kaiser recommandirt dem spanischen König den Don Matthias aufs Wärmste, wodurch die Heirat bald eine beschlossene Sache zu sein scheint.* 410 411 Schon dankt Matthias dem Kaiser Ferdinand II. für die Verwirklichung der bevorstehenden Heirat und bittet um Ausfertigung der Vollmacht für Khevenhüller, die er auch umgehend erhält.412 Der Kaiser erwartet, daß die Eltern der Braut mit der Heirat sehr zufrieden sein werden, wegen des bewährten Verstandes und der Dexterität von Don Matthias.413 Matthias selbst ist säumiger, wie wir aus einem Schreiben Questenbergs an Khevenhüller erfahren: Herr Don Matthias ist in bewußter seiner Prätension etwas seicht und nachlässig; derentwegen er vor 14 Tagen ein kaiserliches Schreiben mit dem kaiserlichen Podero nit ohne Ursach 2 Wort in die Ziffern eingewickelt. Weiß nicht, ob er noch bis dato sein Podero überschickt, da ich ihn doch auf sein Ersuchen gestellt und zustande schreiben lassen.414 Khevenhüller will die Hochzeit unbedingt zustande bringen und schreibt dem Fürsten von Butera Don Matthias ist gesund, stattlich und hat ein Betragen, wie der Sohn eines solchen Vaters. Sein Einkommen ist ausreichend: der Kaiser hat ihm jährlich 20 000 Escudos ausgesetzt. Er hat aber viele Neider wegen der Liebe, die ihm die Erzherzoge Leopold und Karl entgegenbringen.415 4119 HHStA, Belgische Hofkorrespondenz, Karton 11, Stück 65. 410 HHStA, StA, Spanien, Varia Fz. 3, Konv. 6, fol. 158, 175, 202, 224. 411 HHStA, StA, Spanien, Dipl. Korrespondenz, Karton 17, S. 171. 412 HHStA, Hofarchiv, Ältere Zeremonialakten, Karton 2, fol. 53-87. 413 HHStA, StA, Spanien, Varia, Fz. 4, fol. 188 f. 414 HHStA, Hofarchiv, Ältere Zeremonialakten, Karton 2, fol. 57. 415 HHStA, Spanien, Dipl. Korr. Khevenhüller aus dem OÖLA, Jg. 1621, S. 409. 69