Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. von Don Matthias für Spezereien an die 330 Gulden ausgegeben. Konsumiert wurde spanischer Wein (rot und weiß) und gelegentlich Muskateller, Zucker, sehr viele Limonen, Mandel, Haselnuß, Reis, Weinberl, Kapern, Oliven, Safran, Sardellen, Muskatnuß, Zimt, Pischkoten, Pfeffer, Nelken, Ingwer, Marzipan, Konfekt, Zibeben, Genueser Pfirsich und Pomerantschen und Bimen, Pamöl, Zerwelatwurst, geselchte Zunge.’14 Nachdem er sich in Wien eingerichtet hat, kann er wieder an seine vorhabende niederländische Rais375 denken. Sie ist wohl ein Teil seines Planes, alle Habsburger persönlich aufzusuchen, um sich in der Familie eine feste Position - und sichere Versorgung - zu verschaffen. Als ersten Verwandten hatte er wohl den „Onkel“ Maximilian kennengelemt, als er 1607 auf seiner Reise nach Italien für längere Zeit in Innsbruck Station machte. Dieser Erzherzog regierte seit 1598 Tirol und die Vorlande. Jetzt, im Jahre 1617, schenkt er dem Neffen den wunderschönen Schimmel Gentil. Matthias freut sich so darüber, daß er seinem Diener Häuserer, der ihm das Pferd aus Wiener Neustadt überbringt, ein fürstliches Kleid verspricht.374 375 376 Von weiteren Gnaden dieses Erzherzogs, einem großen Förderer Ferdinands II., hören wir nicht. Als nächster großzügiger „Onkel“ muß Kaiser Matthias genannt werden, der seinen Neffen mit einem ordentlichen Deputat versieht und ihm auch etliche Kostbarkeiten vererben wird. Der dritte noch lebende Onkel ist Erzherzog Albrecht, der gemeinsam mit seiner Gattin Isabella die Spanischen Niederlande nicht nur regiert, sondern auch mit voller Hoheit innehat und dementsprechend reich ist. Zu ihm soll nun die Reise gehen. Dazu ist ein fürstliches Empfehlungsschreiben unerläßlich - dieses stellt ihm der „Cousin“ Erzherzog Ferdinand, der spätere Ferdinand II., im August 1617 aus: Es hat sich gegenwärtiger Briefweiser Don Matthias bei unserer Universität zu Gräz etliche Jahr lang in studiis aufgehalten und in selbigen wohl proficiert; hernacher und erst bei 2 Jahren seine Fürnemung auf das Kriegswesen gesetzt und in meinem Friauli- schen Lager über 500 Mann das Commando gehabt. Dieweilen es ihme aniezo vorgenommen in die Niederlande zu ziehen, bei Euer L. sich gehorsambist zu erzeigen, mich auch umb mein Recommendation an Euer Liebden gehorsamblich angelangt, so hab ich ihm dieselbe zu verweigern keine Ursach gehabt, halte aber darbei dafür unnötig zu sein E. L. seine Person mit vielem zu recommandie- ren in Ansehung Sy E. L. [...] werde ihme Don Matthias ohnedas in bestem Befehl haben und zu seinem lobwürdigen Vorhaben alle Beförderung zu thun genaigt sein.377 378 Auch für den König von Spanien holt er sich ein Empfehlungsschreiben: am 3. Oktober 1617 bittet Kaiser Matthias König Philipp III. um eine gute Aufnahme von Don Matthias, der zuerst nach Belgien und dann nach Spanien gehen will.3™ 374 HKA, Nö. K, 1648 Feb 25, fol. 10-13. 375 HKA, RA 100B, fol. 201 f. 376 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 27 f. 377 HHStA, Belgische Hofkorrespondenz, Karton 31, Stück Nr. 144. 378 HHStA, StA, Hofkorrespondenz, Karton 3, Mappe 19, fol. 45. 59