Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Christian Sapper reichen Versprechungen von Don Matthias und seinem jüngeren Bruder bleiben allerdings unerfüllt, sodaß die Ranfts beim Ableben von Don Matthias an dessen Verlassenschaft eine Forderung von 13 000 Gulden stellen. Im Jänner 1629 geben sie sich mit einer Abschlagszahlung von 4 000 Gulden zufrieden”2 - das wird wohl der tatsächliche Wert ihrer Forderung gewesen sein. Ranfts Frau wird den Geldsegen nicht mehr erlebt haben, denn sie starb am 19. Mai 1629. Ihr Gatte schreibt an seinen in Frankreich lebenden Schwager Otta­vio da Strada d. J., daß sie in Viechervald in der Grabstätte unseres Geschlechts begraben wurde. Von den 12 gemeinsamen Kinder mit ihr leben noch vier Knaben und zwei Mädchen. Weiters berichtet er: Von den zwei meinigen Söhnen ist der ältere seit vier Jahren Rittmeister und liegt bei seiner Kompanie bei Viebourg in Gieland; der andere ist Hauptmann unter Tilly. Beide reisen derzeit durch England, Frankreich, die Niederlande, Italien, Portugal und Ungarn und das ganze römische Reich; sie werden Euch in Frankreich heimsuchen. Ranft verspricht dem Strada außerdem, daß er seine Angelegenheit am Wiener Hof erledigen werde. Er unterschreibt sich als Christoph Ranft von Viesenthal der Ältere, Ihrer kaiserlichen Majestät und des gesamten Hauses Österreich Staatsmi­nister. 292 293 Ranft war damals 68 Jahre alt, danach hören wir von ihm selbst nichts mehr. 1642 jedenfalls ist er nicht mehr am Leben, seine Hofprätension von 932 Gulden - d.h. bis auf 932 Gulden waren all seine Ansprüche erfüllt worden - fallt an die Tochter Maria, verehelichte Chlanowsky.294 Sein Sohn Hans Christoph Ranft von Wiesenthal hat schon im Friauler Krieg ge­kämpft und es im Dreißigjährigen Krieg bis zum Obersten gebracht. Fraglich ist, ob er die Familienherrschaft Viecherwald in Böhmen verkauft hat. Jedenfalls er­warb er in Wien das große Haus Nr. 1050 [= Riemergasse 5], das er nach einer Feuersbrunst 1638 neu aufbauen will — und wofür er neun Freijahre erhält.295 1657 wird er-auch unter Berufung auf die Verdienste des Vaters, der Rudolf II., Mat­thias und Ferdinand II. gedient habe — in den Freiherrenstand erhoben.296 4. 2. Don Matthias. Jugend und Erziehung Über die ersten Jugendjahre von Don Matthias gibt es keine Berichte. Er wird wohl in Prag in der Nähe seiner Mutter aufgewachsen sein; seit 1603 wird sich auch der Stiefvater Ranft um ihn gekümmert haben. Um die Jahreswende 1603/1604 wird sein leiblicher Bruder Karl geboren. 292 HKA, HF-Prot. w. Nr. 727, fol. 480. 291 HHStA, RHR, Privilegia Varii Generis 1/10, fol. 80-87. 2,24 HKA, HF-Prot. 1642R, fol. 367. 295 HKA, HQB 11, fol. 131V. 296 AVA, Reichsadelsakt Ranft 1657 Sep 11. 44

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