Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II sprucht sie seine Verlassenschaft zur Gänze.1“ Carolina weiß vermutlich nicht, daß Karl außer Schulden nichts hinterlassen hat. 1629, nach dem Tod ihres Gatten, verspricht ihr Ferdinand II., daß er sich ihrer und ihres Sohnes Eugen Leopolds annehmen werde.* 149 * 151 Das dürften aber wohl nur freundliche Worte gewesen sein, denn im Jahr 1630 muß Carolina wieder die In­fantin Isabella um Hilfe bitten. Diese interzediert bei Ferdinand II. für die Witwe Carolina von Österreich. Bei der Auszahlung der Morgengabe gibt es solche Schwierigkeiten, daß Carolina an den kaiserlichen Hof reisen muß, um dort ihre Ansprüche zu vertreten. Isabella gibt ihr einen „Begleitbrief“ mit wärmster Befür­wortung mit.15" Die habsburgischen Höfe in Wien, Innsbruck, Brüssel und Madrid schienen es vorzuziehen, als Bittsteller bei anderen zu interzedieren als selbst etwas für sie zu tun. So interzediert 1631 Ferdinand II. gleich zweimal beim König von Spanien für Eugen Leopold Cantecroy, den nun 19jährigen Sohn der Donna Carolina, damit dieser nach dem Tode des Grafen Champlite das Gubernium von Burgund erhal­te.'5' Im Jahr 1633 interzediert die Infantin Isabella bei Ferdinand II. für Donna Carolina. Letztere lebt einige Zeit - zur Regelung von Geschäften - in Brüssel an ihrem Hofe. Die 18 000 Gulden, die ihr der Kaiser auf das Rentamt Mähren anwei­sen ließ, hat sie noch immer nicht erhalten. Daher leidet sie Not und Dürftigkeit.152 Im Jahr darauf unterfertigt Ferdinand II. für Carolina eine Urkunde, in der erklärt wird, daß ihre drei Güter in Mähren freies Eigen sind und nach ihrem Belieben verkauft und verpfändet werden können.'53 Eine solche Urkunde ist bares Geld wert, denn freie Güter sind die ideale Sicherstellung für Kredite. 1635 will sie vom König von Spanien eine Anstellung für ihren Sohn Eugen Leopold154 und 1636 schreibt sie aus Freiburg in der Schweiz an den Kaiser und bittet ihn, ihrem 24jährigen Sohn Princeps de Cantecroy die Statthalterschaft von Burgund - wenn solche durch den zu erwartenden Tod des Erzbischofs von Besangon erledigt wür­de - zu verleihen.155 Dazu kommt es aber nicht mehr, denn 1637 ist ihr Sohn schon tot.156 Der Tod des Sohnes bringt ihr einen bis 1660 dauernden Rechtsstreit mit Jacob de la Baume, Graf von St. Amand, ein. Es geht um die Familiengüter der Cantecroy. Der genannte Graf hat erwirkt, daß die Güter als Fideicomiss gelten und 1411 HHStA, Belgische Hofkorrespondenz, Karton 40, 1628 Nov 23. 149 Ebenda, Karton 16, Stück 555. 159 Eben da , Karton 40, 1630 Dez 4. 151 HHStA, Spanien, Hofkorrespondenz, Mappe 24, fol. 1 und 14. 152 HHStA, Belgische Hofkorrespondenz, Karton 40, 1630 Dez 4. 153 HKA, HF, r. Nr. 380, 1663 Jän 22, fol. 10. 154 HHStA, RHR, ludicialia Latina, Karton 105, Konv. 2. 155 HHStA, FamA, Karton 84, Konvolut 5, fol. 69-70. 156 HKA, HF, r. Nr. 261, 1638 Mai 4. 27

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