Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

Rezensionen

des Reiches auf, in denen jedes Zugeständnis anderen Nationalitäten gegenüber nicht nur die ökonomischen Privilegien, sondern vor allem auch das Gefühl einer kulturellen Höherwertigkeit in Frage zu stellen vermochte.“ (S. 117) Poliaks Dar­stellung des „Jung-Wien“ als die dominante literarische Tendenz des Hermann Bahr, Arthur Schnitzler, Theodor Herzl hebt Karl Kraus besonders hervor, referiert aber nicht das gesamte Werk von ihm. Die Geschichte der Secession, die Konzen­tration der künstlerischen Macht stehen bei Pollak im Vordergrund - sowie auch bisherige Arbeiten der Jahrhundertwende, bleiben die Biographien der Schriftstel­ler und Maler ohne politische Neigung und Partei. „Jugendfreundschaften verban­den Gustav Mahler, Max Burkhardt, Hermann Bahr und Arthur Schnitzler. Zum Ende des Jahrhunderts war Bahr der erste Wiener Kulturkritiker. Von da an war den Repräsentanten des Jung-Wien eine günstige Aufnahme am Theater sicher, ..." (S. 190), die ausschließlich sich mit den Allianzen der Kulturvermittler und ihrer Ressourcen auseinandersetzen mußten. Briefe, Zetteln und Selbsteinschätzungen verdeutlichen den kommunikativen Charakter des Erfolgs: nicht Besitzverhältnisse, Wahlen und Versammlungen der Parteien bestimmen die Arbeitssituation, nein- die Gunst einzelner Direktoren und der Künstler, keine Publikumskritik aus der Jahrhundertwende ist zitiert, aber die einfühlsame Perzeption der künsterlischen Produktion. Michael Pollak streift seine Subjektivität in der Darstellung Wiens um 1900 völlig ab, wirklich italienisch ist der Erzählstil: Kurz und ohne Zusammen­hang. Sabine Stadler, Wien Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47/1999 - Rezensionen Dvofäk, Johann: Politik und die Kultur der Moderne in der späten Habs­burger-Monarchie. Innsbruck-Wien: Studien-Verlag 1997. 251 S. Johann Dvofäks geschlossener Text zur Kultur der Jahrhundertwende charakteri­siert die Wissenschaft und Kunst der späten Habsburger-Monarchie. Keine Ge­schichte des Hauses Habsburg leitet das Werk ein, sondern die wissenschaftliche Bestimmung von Kunst: „in der Auseinandersetzung mit Kunst wird Welt- Erfahrung vermittelt, in Kunstwerken finden gesellschaftliche Prozesse, Auseinan­dersetzungen, Entwicklungen ihren Niederschlag und Ausdruck“ (S. 27), die zeit­genössische Konzepte, Ansätze und Denk- und Handlungsweisen aufgenommen und verarbeitet. Dvofäk erklärt die Kunst der Jahrhundertwende anhand des Wer­kes von Hermann Bahr, Karl Lueger und Georg Ritter von Schönerer, Otto Weininger, Theodor Herzl und Hans Kelsen, Rober Musil, Arthur Schnitzler. Der Autor entwickelt keine Gesellschaftstheorie des 20. Jahrhundert, in der die Arbeiterklasse, die Sozialdemokratie und der österreichische Parlamentarismus erklärt und in der Modemisierungsleistung klassifiziert werden, - Dvofäk erklärt die Autoren anhand der wichtigsten eigenen Äußerungen, und hebt als einzige 323

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