Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. Besangon verlegt, obwohl es mit der dortigen Stadtverwaltung einen jahrelangen Rechtsstreit um Besitzungen gibt.'” 1618 hören wir wieder von Cantecroy, diesmal im Zusammenhang mit dem Or­den vom Goldenen Vlies. Der kaiserliche Gesandte Graf Khevenhiller schreibt aus Spanien an Kardinal Khlesl: Sunst sein der Zeit vili, die es [das Goldene Vlies] praetendim, und große spesa dar­über thuen, als: der Conde de Contecroij, weil er des Kayser Rudolphi hochseeligster Gedechtnis Thochter zur Ehe hat, und hier für sehr hoch gehalten wird.133 134 Diese Zeilen zeigen auch, wie allgemein die Kinder Rudolfs II. an den europäi­schen Höfen bekannt waren. Im Jahre 1621 wird Cantecroy in den exklusiven Or­den aufgenommen.135 Weniger Erfolg hat er bei seiner Bewerbung um ein Kom­mando im Dreißigjähriger Krieg: 1619 wird er abgewiesen136 und auch die ein Jahr später abgegebene Bewerbung um ein Regiment Knecht ausländischer Nation137 bleibt erfolglos. Im April oder Mai 1629 stirbt Frangois Thomas Cantecroy.138 Carolina teilt dem Kaiser den Tod ihres Gatten mit, bittet um Hilfe für ihren Sohn und um endliche Auszahlung ihrer Mitgift.139 Die Geschichte um die Aus­zahlung dieser Mitgift ist eine fast unendliche. Zu Lebzeiten von Kaiser Rudolf II. wurde jedenfalls nichts bezahlt. Nach dessen Tod interzediert Erzherzog Albrecht bei Kaiser Matthias und bittet ihn, daß die Versprechungen von Rudolf II. endlich erfüllt würden.140 Den Kaiser dürften die Versprechungen des ungeliebten Bruders jedoch wenig interessiert haben. Nur wenige Tage nach dem Regierungsantritt von Ferdinand II., am 10. September 1619, verwendet sich Erzherzog Albrecht neuer­dings zugunsten der Cantecroys.141 Eine Woche vorher hatte seine Gattin, die In­fantin Isabella, an den Erzherzog Leopold geschrieben, er möge bei seinem könig­lichen Bruder vorstellig werden, damit ihr Kämmerer Cantecroy endlich das Hei­ratsgut und das versprochene Lehen erhalte. Das stehe ihm umso mehr zu, als ihm Rudolf II. ansehnlichen Mobilia - wohl die Sammlung Granveile - abgenommen habe.142 Erzherzog Leopold, damals noch Bischof von Straßburg und Passau, Ad­ministrator der fürstlichen Stifte Murbach und Luder, Herzog zu Burgund, Land­graf im Elsaß, Graf zu Tirol und Görz wurde anscheinend für sehr einflußreich 133 HHStA, RHR, Iudicialia Latina, Karton 100. 134 Hammer-Purgstall: Khlesl, Bd. 1, S 174. 135 Le Toi son d ’ Or: Ausstellungskatalog. Brüssel 1962. S. 44. 136 Österreichisches Staatsarchiv Wien, Kriegsarchiv [in Hinkunft: KA], Hofkriegsrat [in Hinkunft: HKR], Prot. 1619 E, fol. 306, 340. 137 KA, HKR, Prot. 1620 E, fol. 327. 138 Le Toi son d’Or: Ausstellungskatalog, S. 44. 139 HHStA, Familienkorrepondenz, Karton 48, fol. 3-4. 1431 HHStA, Belgische Hofkorrespondenz, Karton 9, Stück 43. 141 Ebenda, Karton 41, Stück 37. 142 HHStA, Belgische Hofkorrespondenz, Karton 11, Stück 6. 25

Next

/
Oldalképek
Tartalom