Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

Rezensionen

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen Im Textteil sind die handschriftlichen Beschreibungen der Kartenblätter ediert, die Angaben über Ortschaften innerhalb der jeweiligen Sektion, vorhandene „solide Gebäude“, Gewässer und Landschaftscharakter und manchmal noch zusätzliche Anmerkungen beinhalten. Diese Angaben bieten oft erstaunliche Detailinformatio­nen. So werden etwa in Sektion 233 die Verhältnisse der Ortschaft Ober Laze in der Rubrik „Wässer“ so beschrieben: „Der Bach, welcher ober Werdun entspringt und bei Susicza vorhig nach Töplicz fließt, hat meistens steinigten Grund, ist 6 bis 10 Schritte breit, an manch Orte bis 4 Schuhe tief, trocknet aber im Sommer völlig aus.“ Im Anschluß an diesen Abschnitt findet sich eine „Toponymie der Sectionen“, die den gesamten, auf den einzelnen Karten vorkommenden Wortschatz gesammelt ausweist. Durch den abschließenden Index können sämtliche Ortsnamen, auch in der heutigen Schreibweise, über das Alphabet aufgefunden werden. Soll der Vorinformation durch die einzelnen Textabschnitte ein Blick in das Kar­tenmaterial folgen, so ist zunächst die Kartonmappe vorsichtig zu öffnen; ein zu heftiges Ziehen an den inneren Stecklaschen könnte zum Ausreißen derselben füh­ren. Danach liegen vor dem Betrachter 19 gefaltete Kartenblätter, wovon 18 am Rand mit einer Nummer bedruckt sind; diese entspricht der Nummer einer Sektion und ermöglicht den sofortigen und eindeutigen Zugriff auf die gewünschte Karte. Das 19. Kartenblatt trägt keine Nummer; es handelt sich dabei um ein in jedem Band enthaltenes Übersichtsblatt, das soeenannte „Squelette. Zur Zusammensetzung deren Militärischen Sectionen, der Im^r-Oesterreichischen Mappa, in 250 Sect.“ Darauf sind die innerösterreichischen Provinzen mitsamt den Kreisen dargestellt, die von den numerierten Kartensektionen durchschnitten werden. Soweit es sich dabei um heute slowenisches Gebiet handelt, kann also auch auf diesem Weg ein Einstieg in die Karten gefunden werden, die durch ihre sorgfältige Zeichnung, eine ange­nehme Farbgebung sowie verschiedene Schattierungen und andere Gestaltungsmittel sehr ansprechend und durchaus „modern“ wirken. Der Vollständigkeit halber sei noch darauf hingewiesen, daß sich alle Karten eines oder mehrerer Bände - entsprechende Platzverhältnisse vorausgesetzt - natürlich auch auf dem Fußboden Stück für Stück zu einem überdimensionalen Gemälde an­einanderreihen lassen, was ein höchst eindrucksvolles Bild ergibt und im Geiste die plastische Vorstellung einer historischen Landschaft entstehen läßt, wie sie aus kei­ner anderen Quelle zu erfahren ist. Mit dem Unternehmen dieser Faksimilierung/Edition steht Slowenien im Begriff, sich eine kompakte historische und landeskundliche Quellensammlung zu schaffen, deren Bedeutung keineswegs nur im Bereich der Historischen Kartographie liegt. Der Anblick des „Squelettes“ und etwas Phantasie könnten beim heimischen Be­trachter sehr leicht die Begehrlichkeit nach einem gleichwertigem Werk dieser Art erregen. Ernst Zehetbauer, Wien 568

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