Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien

Die österreichische Neutralität von 1807-1809 Metternichs. Andreas Chrysogon Eichler war k. k. Rat und Polizeioberkommissär, hatte 1806 die Badeinspektion in Teplitz verliehen bekommen und hatte mit der geheimen Überwachung der illustren Badegäste eine Schlüsselrolle inne. Wann immer Not am Manne war und man von Wien aus in diesen Gegenden eine besonde­re Aufgabe zu erledigen hatte, wandte man sich an Eichler. Gentz ging auf den Wunsch Götzens ein und traf ihn trotz der zu dieser Jahreszeit grundlosen Wege gemeinsam mit Eichler am 12. Jänner im 40 Kilometer vom preußischen Glatz entfernten böhmischen Nachod. Eichler hatte vom Landeschef Böhmens, Graf Wallis, die Weisung erhalten, „mit strengster Vorsicht und Klugheit sich in der Art zu benehmen, daß die Regierung auf keinen Fall kompromittiert werde“. Götzen wollte in Mähren Waffen kaufen und 3 000 preußische Remontepferde8 vor dem Zugriff der Franzosen dadurch retten, daß er sie zum Schein an Eichler verkauf­te, um sie dann nach dem Krieg wieder zurückzunehmen. Eichler entzog sich diesem Angebot, in dem er darauf verwies, daß seine Amtsgeschäfte an keine Privatgeschäf­te denken ließen, daß sich ein solcher Handel mit seinem Amte nicht vertrüge und daß er kein Pferdekenner sei. Götzen informierte die beiden Österreicher über die genauen Truppenstärken der verschiedenen Armeen. Der schlechte Zustand der drei Hauptfestungen Schweidnitz, Neiße und Glatz ließ keine lange Verteidigung erwarten und so wünschte der preußi­sche König, daß Österreich Schlesien in Besitz nehme.9 Eichlers geheimer Bericht ging über den böhmischen Landeschef Wallis an Sume- raw, der als Chef der Polizeihofstelle die Agenden eines Innenministers ausübte. Sumeraw legte das Schreiben dem Kaiser vor, der von seinem Bruder, Erzherzog Karl, ein Gutachten darüber anforderte, „ob die Erhaltung der schlesischen Festungen im preußischen Besitze so wichtig für die österreichische Monarchie sei, daß die Ausfuhr von Armatursorten unter der Hand dahin gestattet werden könne, und ob es zweckmäßig sei, [...] die Remontepferde, falls sie um einen wohlfeilen Preis zu haben wären, unter der Hand für die k. k. Armee anzu­kaufen“. Erzherzog Karl antwortete umgehend, daß es äußerst wünschenswert wäre, daß die schlesischen Festungen im preußischen Besitze blieben, um Napoleon einen neuen Angriff gegen Österreich nach einem gewonnenen Krieg in Rußland nicht allzu sehr zu erleichtern. Da die Waffenausfuhr nach Schlesien nicht lange vor den Franzosen verborgen bleiben könnte und dies eine klare Verletzung der vom Kaiser feierlich erklärten Neutralität darstellte und ferner die Festungen ohnehin nicht zu halten wären, müsse davon abgeraten werden. 8 Remonte ist der Ersatz, insbesondere der Ersatz von Pferden im Kriegsdienst. 9 Fournier: Studien 2. Reihe, S. 134-137; Hopfner, Eduard von: Der Krieg von 1806 und 1807. Ein Beitrag zur Geschichte der Preußischen Armee..., 2. TI., 4. Bd., S. 135 f. (Hopfner schreibt falsch, die Initiative sei von einem kaiserl. Legationsrat, gemeint ist Gentz, ausgegangen), Wiese- Kaiserswaldau : Götzen, S. 86-88. 315

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