Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

LEHNER, Georg: Chinesisch für den auswärtigen Dienst: Zwei Dolmetsch-Eleven an der k. u. k. Gesandtschaft in Beijing in den Jahren 1897 bis 1900

Chinesisch fiir den auswärtigen Dienst Chunbo in Form von „fingirten Verhandlungen mit dem Tsungli-Yamen [zongli yamen2']“ beinhalteten für Silvestri „eine Reclamation wegen Verwundung und Beraubung eines oesterreichischen Mis­sionärs und eines oesterreichischen Kaufmannes“ und für Natiesta die Frage des Schutzes von Markenartikeln aus der österreichisch-ungarischen Monarchie gegen die häufige Ver­fälschung dieser Marken durch japanische Unternehmen. Das Ergebnis der mündlichen Prüfung schien Czikann vielversprechend. Nach Rosthoms Erachten schien es angezeigt, daß Silvestri nach etwa einem halben Jahr weiterer Studien einem der - nach den Anträ­gen der k. u. k. Gesandtschaft neben dem Generalkonsulat in Shanghai jedoch erst zu schaffenden - österreichisch-ungarischen Konsulate in China zur Dienstleistung zuge­wiesen werden könnte. Natiesta hätte sich noch etwa ein Jahr dem an der k. u. k. Ge­sandtschaft in Beijing organisierten Kurs zu widmen, ehe er einer Konsularvertretung zu­geteilt werden könnte. Beide hätten ihre Sprachstudien auch nach der Zuteilung zu einem Konsulat fortzusetzen. Damit - so Czikann - würde „Raum für andere, zum chinesischen Dollmetsch-Dienste heranzubildende Seminaristen geschaffen werden“* 22. Im September 1899 schlug Czikann dem Ministerium des Äußern vor, nach russi­schem Muster junge Beamte nach China zu entsenden, „denen schon in der Heimat durch Chinesen hinlängliche Sprach-Kenntnisse für den Dolmetschdienst beigebracht worden sind“23. Silvestri bot sich schon bald Gelegenheit zu der von Czikann im Januar 1899 an­gesprochenen Bewährung der Dolmetsch-Eleven im konsularischen Dienst. Nach der krankheitsbedingten Dienstunfähigkeit des dem Generalkonsulat Shanghai zugeteil­ten Vizekonsuls Nikolaus Post beantragte Generalkonsul Norbert Schmucker von der k. u. k. Gesandtschaft die vorübergehende Entsendung eines Beamten von Beijing nach Shanghai. Am 12. April 1899 traf Silvestri zur Dienstleistung in Shanghai ein24 *. Im Sommer jenes Jahres wurde er schließlich aushilfsweise nach Hongkong versetzt, im Oktober 1899 kehrte Silvestri vorläufig wieder nach Shanghai zurück. Währenddessen konnte Natiesta an der k. u. k. Gesandtschaft in Beijing das weitere Studium von im Amtsstil verfaßten chinesischen Schriftstücken (Wade’s Handbuch „Wén-chien Tzu-erh Chien“) betreiben. Seit Anfang 1899 bediente er sich zudem des ihm von Rosthorn empfohlenen, damals neuen Lehrbuches Tanlun xinbianu. Die Zur Regelung der Außenbeziehungen des Chinesischen Reiches (und zum Verkehr mit den seit jener Zeit in Beijing residierenden diplomatischen Vertreter) war 1861 das zongli yamen gegründet worden. Vgl. dazu Banno Masataka: China and the West 1858-1861. The Origins of the Tsungli Yamen. Cam­bridge., Mass. 1964 (Harvard East Asian Series 15). Zu einer deutschen Übersetzung des Terminus zongli yamen vgl. Franke, Herbert - Trauzettel, Rolf (Hrsg.): Das Chinesische Kaiserreich. Frankfort am Main 1984 (Fischer Weltgeschichte 19), S. 321 („Hauptamt for die Verwaltung der auswärtigen Angele­genheiten“). Vgl. auch Osterhammel, Jürgen: China und die Weltgesellschaft. Vom 18. Jahrhundert bis in unsere Zeit. München 1989, S. 155 („Amt für allgemeine Verwaltungsaufgaben“). HHStA, AR Fach 4/319, Silvestri 1/2-7 (Czikann an MdÄ, N° III, Peking 1899 Januar 10). Zitiert nach L e h n e r: Konsularvertretungen, S. 281. Vgl. dazu HHStA, AR Fach 4/319, Silvestri 1/4-2 (Czikann an MdÄ, N° XX, Peking 1899 April 2); ebenda, Silvestri 1/4-3 (Schmucker an MdÄ, Z. XJQX, Shanghai 1899 April 14). Zum Tanlun xinbian vgl. die Einträge in der B i b 1 i o t h e c a S i n i c a, Sp. 1706 f.: „Tanlun xinbian, Chats in Chinese. A Translation of the T’an lun hsin pien by C.H. Brewitt-Taylor. Chinese Imperial Maritime Customs. Peking ... 1901. ... Le Ms. avait été remis ä Timprimeur en oct. 1899, mais le travail fot retardé par les évenements de 1900; le ms. du vocabulaire anglais-chinois qui avait été détruit a été re- constitué par Mr. N. A. Konovaloff‘. 115

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