Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)
AGSTNER, Rudolf: Von Chandos House zum Belgrave Square. Österreichs Botschaft in London 1815–1997
in engerem Sinne erledigen ... Gesandter Baron Franckenstein hat bereits das Gebäude 18, Beigrave Square verlassen; seine Möbel werden eben jetzt weggeschafft...123 Am 31. März legte Kunz die Liste mit den Namen von 6 gekündigten Vertragsbediensteten vor, unter denen sich auch die schon auf der k. u. k. Botschaft in Diensten gestandenen William Hoy, der am 1. Juni 1911 von Graf MensdorfF zum Amtsdiener bestellt worden war, und Henry Bateman, seit 1. Februar 1905 Hausknecht an der k. u. k. Botschaft, befanden. Interessant erscheint der Fall der Amtsrevidentin Edith Popper124, die als Nicht-Arierin sofort pensioniert wurde. Ihre Eingabe an die Deutsche Botschaft, in London verbleiben zu dürfen, und nicht nach Wien zurückkehren zu müssen, „wo ich als Jüdin nach meiner Pensionierung keine Möglichkeit habe, einen Verdienst zu finden“ wurde telegraphisch abgewiesen: „Amtsrevident Popper hat Wien einzurücken.“ Inzwischen hatte Reichsaußenminister von Ribbentrop seinem früheren Londoner Kollegen Baron Franckenstein am 21. März zugesichert, eine Zeitlang in England bleiben zu können. Seine Übersiedlung nach Wien erfolgte daher nicht. Es ist immerhin bemerkenswert, daß mit Amtsleiter Franckenstein, seinem Stellvertreter Kunz sowie der Oberamtsrevidentin Popper ein erheblicher Teil der Bediensteten der österreichischen Gesandtschaft in London im Exil verblieben. Georg Franckenstein, durch 18 Jahre Österreichs Gesandter in London, zitiert in seinen Memoiren125 aus der Times: The Austrian Legation has ceased to exist. For a brief period the swastika flew side by side with the national flag in Belgrave Square. Both alike had disappeared yesterday. The business of the Legation had been transferred to the German Embassy ... Baron Franckenstein had received his orders to hand over his duties and to return himself to report to such Government as he might find in Vienna. Franckenstein blieb aber in London, wo er am 25. Juli 1938 durch König Georg VI. in den britischen Adelsstand zu „Sir George Franckenstein“ erhoben wurde. XVI. Das Palais im Zweiten Weltkrieg Nach dem Ausbruch des 2. Weltkriegs übernahm die Schweizer Gesandtschaft die Schutzmachtfiinktion über die deutschen Interessen, und damit auch das ehemalige österreichische Gesandtschaftsgebäude. Am 2. Oktober 1940 informierte das Eidgenössische Politische Departement mit der Bitte um vertrauliche Behandlung die deutsche Gesandtschaft in Bem, „daß das Gebäude der ehemaligen österreichischen Gesandtschaft, 18 Belgrave Square, in dem sich vor dem Kriege große Teile der Konsularabteilung der Botschaft befanden, * * Von Chandos House zum Beigrave Square. Österreichs Botschaft in London 1815-1997 Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes Bonn (wie Anm. 120), Deutsche Botschaft London an Reichsstatthalter für Österreich, ZI. 1422 vom 29. 3. 1938. * Wien 6. Juni 1897, t London 20. August 1981; 1918 bis 1923 Sekretärin bei der Anglo American Relief Mission of the Society of Friends in Wien, 1. Oktober 1923 Dienstantritt bei der österreichischen Gesandtschaft in London als Sekretärin des Gesandten, Februar 1923 Ernennung zur Amtsassistentin, 1. 1. 1932 Amtsrevidentin, 1. 1. 1938 Amtsoberrevidentin, Februar 1939 Pensionierung. Franckenstein: Facts and Features of my Life, S. 327. 37