Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)

AGSTNER, Rudolf: Von Chandos House zum Belgrave Square. Österreichs Botschaft in London 1815–1997

Rudolf Agstner „Austro-Hungarian Embassy London“ und „Austro-Hungarian Consulate London“ nicht verwendet werden durften95. Im Frühjahr 1916 wurde die Position von „Captain“ Poppauer immer unhaltbarer, und zuletzt wurde er von den britischen Behörden ausgewiesen, ohne daß die US- Botschaft etwas dagegen unternahm. Vorher mußte Poppauer aber einen geeigneten Nachfolger für sich finden: ... Die Wahl war allerdings sehr schwer, da die amerikanische Botschaft sich gegen einen Juden wehrte und unter den gebildeten Landsleuten im Lande nur sehr wenige wa­ren, die die Sprache genügend beherrschten, um brauchbar zu sein ..,96. Schließlich fand Poppauer in Moriz Ritter von Bruckner den geeigneten Nachfol­ger97. Nach dem am 8. April 1917 erfolgten Abbruch der diplomatischen Beziehun­gen zwischen Österreich-Ungarn und den USA übernahm die königlich schwedische Gesandtschaft in London bis 17. August 1920 den Schutz der k. u. k. Interessen. Im Herbst 1919 kam der Ballhausplatz zum Schluß, die schwedische Schutzmacht­funktion könne erheblich reduziert werden. Die schwedische Gesandtschaft in Wien erhielt folgende Note: ... Considering that the majority of the former Austrian and Hungarian subjects in­terned in the United Kingdom during the war have returned home, the Austro-Hungarian Ministry of Foreign Affairs supposes that the work to be dealt with by the Austro- Hungarian Division of the Royal Swedish Legation in London is greatly diminished . Un­der these circumstances and in view of the great difficulty to procure foreign currency this Ministry would be much obliged if the staff of the Austro-Hungarian Division of said Le­gation could be reduced as soon as possible ...98 XII. 1919/20 - Auseinandersetzung zwischen den Nachfolgestaaten um das Palais Nach dem Zusammenbruch der Monarchie reflektierten sowohl Siegermächte als auch Nachfolgestaaten auf die oft prachtvollen Palais der k. u. k. Missionen99. Im Falle Londons waren dies Polen und die ÖSR, nicht aber Ungarn100. Inwieweit sich HHStA Wien, AR, Fach 6/65, London-73, Bericht Poppauer vom 26. 11. 1914. Ebenda, London-72, Schreiben Poppauer an MdÄ, Wien am 7. 10. 1916. 97 Durch die Arbeitslast zerrüttet, beging der Honorarbeamte Bruckner, der ein Gehalt von 12 LSt. monatlich bezog, am 4. 7. 1922 in London Selbstmord. 98 HHStA Wien, AR, Fach 6/65, London-87, Note des liquidierenden MdA an die schwedische Ge­sandtschaft Wien vom 2. 10. 1919. 99 So nahm Italien schon 1916 den „Palazzo di Venezia“ in Rom in Besitz, 1918 den gleichnamigen Botschaftspalast in Konstantinopel; Frankreich sequestrierte 1919 das Hotel Matignon. Im Juli 1919 meldete die Tschechoslowakische Republik Anspruch auf die Missionsgebäude in Belgrad, London und Washington an, während Ungarn Anspruch auf die Gebäude in Belgrad, Bukarest, Sofia, Wa­shington und Tokio erhob. Das Palais in Sofia wurde 1925 von Italien durch Tausch gegen das alte königlich italienischen Gesandtschaftspalais (an Österreich) und Ablöse des ungarischen Anteils, das in Tokio 1922 ebenfalls durch Italien erworben, das in Belgrad 1926 dem röm. kath. Erzbischof von Belgrad-Smederevo verkauft, das in Bukarest in natura zwischen Österreich und Ungarn geteilt. 00 AdR Wien, BMfAA, Abt. 14-HP, Liquid. Sachdemobilisierung 61, Ungar. Liquidierungsamt MR Bahnt an MR Boschan vom 21. 11. 1919. 28

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