Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)
HÖDL, Sabine: Eine Suche nach jüdischen Zeugnissen in einer Zeit ohne Juden. Zur Geschichte der Juden in Niederösterreich von 1420 bis 1555
Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45/1997 - Rezensionen etablieren konnten. Gudrun Biffl befaßt sich mit der „Arbeitswelt der Frauen in Österreich - Erwerbsarbeit und Hausarbeit“ (S. 120-145). Sie recherchiert die Frauenerwerbsbeteiligung im In- und Ausland und zeigt an Hand von Statistiken auf, daß der relativ hohe Beschäftigungsgrad der Frauen in Österreich am Ende des 19. Jahrhunderts in den folgenden Jahrzehnten deutlich hinter jenen der Vergleichsländer zurückfiel. Gertraud Diem-Wille beschäftigt sich mit „Weiblichkeit und berufliche Karriere. Eine psychoanalytische Untersuchung der Aufstiegsmotivation von Universitätsprofessorinnen und Managerinnen.“ (S. 146-167). Sie arbeitet in dieser psychoanalytischen Untersuchung die Persönlichkeiten von Managerinnen, Managern, Universitätsprofessorinnen und Universitätsprofessoren heraus und zeigt an Hand von Fallgeschichten die vier relevanten Elemente (Entwicklung der Geschlechtsidentität, Elterliche Akzeptanz, Eltern als Modell sowie Anpassung versus Rebellion) der Formung der „inneren Realität“. Dem dritten Schwerpunkt „Frage der weiblichen Identität“ widmen sich Karin J. Jusek, Marie-Luise Angerer, Monika Bemold sowie Irene Bandhauser-Schöffmann und Ela Hornung. Karin J. Jusek beschäftigt sich mit den „Grenzen weiblichen Begehrens. Beiträge österreichischer Feministinnen zur Sexualdebatte im Wien der Jahrhundertwende.“ (S. 168-189). Dieser Beitrag hat in der Prostitution seinen Ausgangspunkt. Sie zeigt die Schwierigkeit der Feministinnen mit der Auseinandersetzung mit der „sexuellen Frage“ auf und beschäftigt sich eingehend mit Texten der Schriftstellerinnen Irma von Troll-Borostyäni und Rosa Mayreder. Mayreders erklärtes Ziel war die Abschaffung der Prostitution, denn „das Wesen der Prostitution war die Erniedrigung der Frau zum Objekt“. Troll-Borostyäni schlug die „Ordnung des Geschlechtsverkehrs“ vor, damit ein gewisses Gleichgewicht zwischen Frauen und Männern eintreten könnte. Dies wollte sie vor allem durch Verminderung sinnlicher Reize erreichen. Ein eher problematischer Ansatz. Mayreder trat wohl für die „freie Liebe“ ein, aber wollte diese auf die „einzige wahre Leidenschaft beschränkt sehen“. Marie-Luise Angerer widmet sich dem Thema „Vom , Schlachtfeld weiblicher Körper4 zum sprechenden Körper der Frau. Verschiebungen im Diskurs zur weiblichen Sexualität im 19. Jahrhundert.“ (S. 190-206). Sie untersucht die Veränderungen der Medizin im Umgang mit dem weiblichen Körper. Zunächst wurde unter Kaiser Joseph II. die Gynäkologie etabliert, im 19. Jahrhundert lag der Schwerpunkt auf der weiblichen Psyche und am Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Frau zum Hauptobjekt der Psychiatrie und später der Psychoanalyse. Monika Bernold’s Arbeit befaßt sich mit dem „Darstellungsmuster des Anfangs. Spuren geschlechtsspezifi- scher Identitätsbildung in Eröfifnungserzählungen geschriebener Lebens- Geschichten.“ (S. 207-224). Für ihre Arbeit wendet sie sowohl historische als auch literaturwissenschaftliche Methoden an, wenn sie die Anfangssequenzen der Autobiographien unterschiedlichster Österreicherinnen und Österreicher in sozialer und geschlechtsspezifischer Hinsicht interpretiert. Irene Bandhauser-Schöffmann’s und Ela Hornung’s Arbeit mit dem Thema „Vom .Dritten Reich4 zur Zweiten Republik. Frauen im Wien der Nachkriegszeit.“ (S. 225-246) basiert auf Interviews mit „Trümmerfrauen“. Sie haben eine Reihe von Interviews mit diesen Frauen über den 311