Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)

HÖDL, Sabine: Eine Suche nach jüdischen Zeugnissen in einer Zeit ohne Juden. Zur Geschichte der Juden in Niederösterreich von 1420 bis 1555

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45/1997 - Rezensionen aber gleichzeitig mit den eigenen Interessen in Einklang bringen wollte. Ebenso versuchten die benachbarten Mächte (England-Hannover, Niederlande, Preußen, Rußland) den Verfassungskonflikt zur Ausdehnung ihres eigenen Einflusses zu be­nützen. Der Ursprung des Konflikts lag in beiden Fällen in den widerstreitenden Interes­sen von fürstlichem Absolutismus und ständischen Freiheiten. Doch während im Fall Mecklenburgs der Reichshofrat als Hüter der ständischen Verfassung auftrat, stand er in der ostfriesischen Streitsache eindeutig auf Seite des Landesfürsten, auch wenn außenpolitische Rücksichten eine gewisse Zurücknahme seiner ursprünglichen Posi­tionen notwendig machten. Hier wie dort werden auch die Grenzen des rechtlichen Verfahrens sichtbar, dessen Entscheidungen nur mit entsprechender politischer Rük- kendeckung exekutierbar waren, so daß je nach der politischen Konstellation das Verfahren bald beschleunigt, bald zurückgehalten wurde, ohne daß die juristischen Kriterien der Urteilsfindung selbst in Frage gestellt waren. Hughes hat seine Darstellung durch umfangreiche Archivstudien in Wien, Hanno­ver, Aurich, Schwerin und Göttingen auf eine umfassende Quellenbasis gestellt und neben einer ins Detail gehenden Behandlung der beiden Konfliktfalle den interna­tionalen Kontext im Zusammenhang mit dem Großen Nordischen Krieg und der europäischen Mächtekonstellation nach den Kongresen von Cambrai und Soissons angemessen berücksichtigt. Das Ergebnis seiner Arbeit macht das Dilemma deutlich, dem sich der Kaiser beim Versuch einer energischen Wahrnehmung der Reichsrech­te gegenübersah. Die meisten europäischen Auseinandersetzungen spielten in das Reich herein und brachten die kaiserliche Reichspolitik notwendigerweise mit den österreichischen Großmachtinteressen in Konflikt. So blieb das Ergebnis der Tätig­keit des Reichshofrats in beiden vorliegenden Streitfällen letztlich eher unbefriedi­gend und wurde de facto durch die zunehmende Machtposition Hannovers und Preu­ßens bestimmt. Wie Aretin u. a. sieht auch Hughes für die letzten Jahre der Herr­schaft Karls VI. einen Niedergang der kaiserlichen Macht im Reich und in Europa, der die Habsburgermonarchie beim Tod des Kaisers an den Rand des Zusammen­bruchs führte. - Eine Bemerkung in eigener Sache: der vom Verf. zitierte Aufsatz des Rez. „Das Reich und der Vertrag von Sevilla 1729-1731“ ist nicht in MIÖG, sondern in dieser Zeitschrift erschienen. Leopold Auer, Wien Deutscher Bund und deutsche Frage 1815-1866. Europäische Ordnung, deutsche Politik und gesellschaftlicher Wandel im Zeitalter der bürgerlich-nationalen Emanzipation, hrsg. von Helmut Rumpler. Wien- München. Verlag für Geschichte und Politik/Oldenbourg 1990 (Wiener Bei­träge zur Geschichte der Neuzeit 16/17), 316 Seiten. Dieser Band, vor der Wende konzipiert und nach dieser publiziert, beginnt mit ei­ner deutsch-österreichischen Standortbestimmung des politischen Stellenwertes und 300

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