Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)
FENEŞAN, Costin: Die zweite Reise Kaiser Josephs II. ins Temeswarer Banat (1770)
Costin Fene; an tion und der damit verbundenen Ausfuhruingen ausgearbeitete Instruktion für die Banatische Landes-Administration5 6 nicht den vom Kaiser gewünschten Umbau. Zwar wurde der bisherhige Administrationspräsident, Graf von Vilana-Perlas, zur Rechtfertigung nach Wien gerufen und sein Amt an den Grafen von Clary und Aldringen7 abgegeben. Zudem wurden mehrere Beamte, einschließlich Landesadministrationsräte ihres Amtes enthoben8, doch die eher konservativ denkende Kaisermutter war den umstürzlerischen Projekten ihres Sohnes keineswegs gewogen. Der Ausbruch des russisch-türkischen Krieges (1768) fesselte nun die Aufmerksamkeit des äußerst aktiven Jungkaisers weiterhin an den östlichen und südöstlichen Grenzen seiner Staaten. Damit in Zusammenhang kann auch die Truppenbesichtigung in Ungarn, welche sich Joseph II. im Frühjahr 1770 vorgenommen hatte, gebracht werden. Daß sich der Kaiser dabei auch einen kurzen Abstecher ins Temes- warer Banat leistete, dürfte nicht nur der Bedeutung dieses Kronlandes in militärischer Hinsicht zuzuschreiben sein, sondern - wie schon vermutet worden ist9 - auch seiner Absicht, sich vom Ergebnis der anläßlich seiner ersten Reise (1768) angeordneten Maßnahmen zu überzeugen. Wenn die erste und die dritte Reise des Kaisers ins Temeswarer Banat (1773) dank des erhaltenen Archivmaterials bis ins Detail nachgezeichnet werden kann10 11 12, so sind die Quellen zur zweiten Kaiserreise äußerst dürftig. Lediglich die kurzgefaßten Notizen Josephs" sind erhalten geblieben, dazu ein Verzeichnis über Reisestationen und Nachtlager" und das „offizielle“ Reisejournal13. Bedauerlicherweise ist das Tagebuch des Prinzen Albert von Sachsen-Teschen (auch diesmal Josephs treuer Reisekamerad und Konfident) nicht auffindbar14 15. Die nun schon üblich gewordene Relation des Kaisers an seine Mutter nach der Rückkehr in Wien und ein damit in Verbindung stehender möglicher Entschluß Maria Theresias sind unseres Wissens nicht erhalten geblieben. So sind Josephs Notata'! 5 In den eigenhändigen Notizen des Kaisers heißt es an einer Stelle: „Einen tüchtigen Chef [d. h. Landesadministrationspräsidenten - Anm. d. Vf.] oder alles Militär machen, oder nur die vordere Granitz und das übrige in kleinen Portionen verkaufen, jedoch also, daß die domini terrestres denen Böhmisch oder Mährischen Gesätzen unterworfen würden, ist meine Meinung.“ Vgl. Szentkláray: Száz év Dél- magyarország újabb történetéből, S. 206. 6 Eine zusammenfassende Darstellung bei Szentkláray: Száz év Délmagyarország újabb történetéből, S. 216 f. 7 Dieser hatte schon 1766, als Hoikommissar im Temeswarer Banat, genügend Erfahrung über das ihm nun anvertraute Kronland gesammelt, obwohl sich Joseph II. in diesem Amt den damaligen Banater „Impopulationskommissarius“ Wolfgang von Kempelen gewünscht hätte. 8 Um die Erledigung der Amtssachen zu beschleunigen, wurde die Anzahl der Administrationsräte von 6 auf 8 festgelegt und deren Befugnisse auch klarer Umrissen. 9 Szentkláray: Száz év Délmagyarország újabb történetéből, S. 221. 10 Der Autor bereitet eine ausführliche Monographie über Josephs erster Banater Reise vor. 11 Haus-, Hof- und Staatsarchiv [HHStA] Wien, Habsburgisch-lothringische Familienarchive, Hofreisen, Karton 2, fol. 334-339. 12 Ebenda, fol. 322-329 (siehe unten Anm. 16). 13 Ebenda, fol. 310-321. 14 1879 befand es sich noch im Besitz des FM Erzherzog Albrecht; vgl. Szentkláray: Száz év Délmagyarország újabb történetéből, S. 221, Anm. 2. 15 Der Text wird im Anhang veröffentlicht. 234