Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)

STRIMITZER, Birgit: Der k. k. Staatsrat Friedrich Freiherr Binder von Krieglstein, Freund und Sekretarius des Staatskanzlers Kaunitz. Ein Beitrag zur Klientelpolitik der maria-theresianischen Epoche

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44/1996 - Rezensionen beschreiben, sondern ihr öffentliches Verhalten - und Kunst hat zwangsweise im Theater- und Mu­sikleben ein hohes Maß an Öffentlichkeit - zu bewerten. [...] Mit diesen Worten faßt der Autor unter anderem im Resümee seines bei aller subjektiven Emotionalität doch sehr fundiert recherchierten Werkes zusammen. Alexandra Eimer, Wien Olsen, Donald J.: Die Stadt als Kunstwerk. London - Paris - Wien. Aus dem Englischen von Niels Kadritzke. Frankiurt-New York: Campus 1988. 418 S., 149 Abb. Im vorliegenden, prächtig und opulent mit Bildmaterial ausgestattetem Band unternimmt der amerikanische Historiker Olsen den Versuch, in einer Synthese von kunsthistorischer und historischer Betrachtungsweise die für das 19. Jahr­hundert so charakteristische Bedeutung der Stadt als Kunstwerk am Beispiel der höchst unterschiedlichen Gegebenheiten in London, Paris und Wien herauszuar­beiten. Die grobe thematische Gliederung weist fünf Großkapitel (Die Stadt als Luxus - Die Stadt als Monument - Die Stadt als Zuhause - Die Stadt als Spiel­fläche - Die Stadt als Dokument) auf, innerhalb derer sich Raum bietet, die bauliche Entwicklung und Präsenz der genannten Städte im Detail vor dem Leser auszubreiten. Olsen weist dabei reiche Literaturkenntnisse nach, die in einem zum Schluß des Buches dargebotenen Anmerkungsapparat sowie einem Verzeichnis von Quellen (darunter versteht Olsen insbesonders zeitgenössische Literatur) und wissenschaftlichen Arbeiten dokumentiert sind. Ein ansprechen­der, auf hohem Niveau stehender Stil, das reiche Abbildungsmaterial, aber auch der geschickte Einbau von vor allem aus England stammenden zeitgenössischen Aussagen über die Verhältnisse in den behandelten Städten machen die Lektüre des Buches ebenso angenehm wie anregend. Entsprechend der Grundan­schauung, daß ein Kunstwerk nicht zuletzt eine historische Quelle ist und die Stadt als „umfassendste und typischste Kunstgattung des 19. Jahrhunderts uns auch Auskunft über das ,innere Wesen1 jenes Jahrhunderts geben kann“ (S. 315), wird hier gegen die immer wieder auftretenden Abgrenzungstendenzen zwischen Historie und Kunstgeschichte gegenüber der jeweils anderen Disziplin Stellung genommen. Als Wiener Stadthistoriker interessiert man sich selbstverständlich besonders für die Aussagen zur Entwicklung der Donaumetropole. Dabei ist nun allerdings trotz der überaus differenzierenden Darstellung ein gewisses Manko im Hinblick auf die Wechselwirkungen zwischen baulicher und gesellschaftlicher Entwick­lung der Stadt zu merken. Dies gilt nicht nur hinsichtlich der durch die neuere Forschung überholten Charakterisierung Wiens als Stadt, die noch in der Zeit um 1900 nicht als Industriestadt gelten konnte1, dies gilt insbesondere für die 1 Siehe dazu etwa Banik-Schweitzer, Renate - Meißl, Gerhard: Industriestadt Wien. Die Durch­setzung der industriellen Marktproduktion in der Habsburgerresidenz. Wien 1983 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte 11). 397

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