Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)
CORNARO, Andreas: Nachruf Peter Gasser 1915–1991
NACHRUF PETER GASSER 1915-1991 Am 21.Juni 1991 verstarb in seinem 76. Lebensjahr der ehemalige Direktor des Allgemeinen Verwaltungsarchivs Hofrat Dr. Peter Gasser. Sein schon seit langem angegriffener Gesundheitszustand war zwar seit zwei Jahren kritisch geworden, er hatte sich aber immer wieder erholt, sodaß sein Ableben für seine Freunde doch schmerzlich unerwartet eintraf. Peter Gasser wurde am 12.November 1915 in Abbazia geboren, in dessen Umgebung damals sein Vater, der erste und zugleich auch der letzte österreichische Bezirkshauptmann von Monfalcone in Folge des Kriegseintrittes Italiens seinen Amtssitz verlegt hatte. Seine Mutter stammte aus einem in Istrien ansässig gewordenen Zweig einer venezianischen Patrizierfamilie. Herkunft und Geburtsort sollten in vielerlei Hinsicht für sein gesamtes Leben prägend sein. Obwohl seine Eltern nach dem 1.Weltkrieg nach Wien übersiedelten, wo er fortan aufwuchs und die Schule besuchte, hat er doch das ehemalig österreichische Küstenland gewissermaßen als seine zweite Heimat betrachtet, wohin es ihn immer wieder zog. Hatte er in seiner Jugend während der Zwischenkriegszeit mit seinen Vettern mütterlicherseits Segeltouren durch die nördliche Adria und nach Dalmatien unternommen, so bevorzugte er in der Nachkriegszeit das einst ein halbes Jahrhundert vorher von seinem Vater als Ferienort entdeckte und geförderte Grado, wo er seit den 60er Jahren jeden Sommer einen Monat verbrachte. Auch in diesem Jahr hat er wenige Wochen vor seinem Tod noch Pläne für seinen dortigen Aufenthalt im August geäußert. Nach dem Abschluß des Realgymnasiums inskribierte Gasser an der Wiener Universität in Geschichte und Altertumskunde. Sein Studium wurde freilich, wie auch bei vielen anderen Studienkollegen seiner Generation durch den Militärdienst des 2. Weltkriegs beeinträchtigt. Immerhin konnte er 1940 promoviert werden und 1941 mit Sonderurlaub die Abschlußprüfung für den 42.Kurs des Institutes für Österreichische Geschichtsforschung ablegen. Den weiteren Verlauf des Krieges machte er an der Front in Italien mit, wohin er wegen seiner Sprachkenntnis entsandt worden war, und geriet 1945 bei der dortigen Kapitulation in Gefangenschaft, aus der er bald wieder nach Österreich entlassen wurde. In den Wirren der Nachkriegszeit fand er zunächst eine Stelle im Statistischen Zentralamt. Er erzählte später gelegentlich seinen Kollegen über seine dort gemachten Erfahrungen als Beispiel dafür, daß für den Historiker auch statistisch untermauer394