Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)
BURKERT, Günther R.: Die Reise österreichischer Gesandter an den Hof Karls V. im Jahre 1519. Die bisherige Forschung und der Bericht Trojan von Auerspergs
Günther R. Burkert ben der andern lande herrn abgesandtn bey Ihro Khöniglichen Maje- stet in Spanien außgericht. Diß ist die raißbeschreibung von Villach in Rärndtn biß auf Barcelona in Hispanien“. Stilistisch ist der Bericht sicher keine Meisterleistung seiner Zeit, doch kann man ihm eine gewisse Lebendigkeit und vor allem Authentizität nicht absprechen17). Bei Lektüre des unmittelbar unter dem Eindruck der Reise geschriebenen Berichts kommt der Leser zu einer ganz neuen Sicht der ständischen Spanien-Mission. Trojan von Auersperg, geboren am 24. Oktober 1495, war der Sohn Pan- graz II., des Begründers der sogenannten Hauptlinie des Hauses Auersperg. Abwechselnd in Wien, Laibach und - bis zum Erdbeben im Jahre 1511 - auf seinem Stammschloß lebend, bewährte er sich im Kampf gegen die Türken und wurde Oberstkämmerer in Krain. Mit der Anweisung versehen, sich an den aus Krain stammenden Siegmund von Herberstein zu halten, zogen die Krainer Gesandten nach Spanien. Die Zufriedenheit mit den Ergebnissen dieser Gesandtschaft muß so groß gewesen sein, daß Auersperg von der Krainer Landschaft 1521 in den Ausschuß gewählt wurde, der im Namen der Landschaft mit Kaiser Karl V. über die Landtagspostulate beschließen sollte. Bei der Verteidigung Wiens 1529 führte Auersperg ein Krainer Aufgebot gegen die Türken. 1530 Rat, schließlich Regimentsrat Ferdinand I. in Wien, wird er 1535 mit der Verwaltung des Statthalteramtes betraut, das er bis zu seinem Tode 1541 innehatte18). 17) Die Beurteilung des Stils von Siebenbürgers Bericht erscheint deshalb wohl auch in einem anderen Licht. Hatte Alphons Lhotsky, Das Zeitalter des Hauses Österreich. Die ersten Jahre der Regierung FerdinandsI. in Österreich (1520-1527) (Veröffentlichungen der Kommission Jür Geschichte Österreichs) 4 (Wien 1971) 98 Siebenbürger „kümmerliche Stilistik mit ungefügen parataktischen Sätzen“ vorgeworfen, so hätte Lhotsky dies in einer Endredaktion wohl ausgemerzt. Siebenbürgers Bericht liegt - genauso wie der Auerspergsche - der Abrechnung seiner Reisekosten bei, sodaß ihm keine Zeit zur Abfassung eines wohlausgewogenen Reiseromans blieb, wie dies Herberstein fast vierzig Jahre später tat; vgl. dazu auch die Rezension des Werkes Lhotskys von Gerhard Rill in: MÖStA 26(1973) 494 ff. 18) Albert Starzer, Beiträge zur Geschichte der Niederösterreichischen Statthalterei. Die Landeschefs und Räte dieser Behörde von 1501 bis 1896 (Wien 1897) 171-174; vgl. auch Kraus, Zur Geschichte Österreichs 39-43; Dimitz, Geschichte Krains 83 und 115; Valvasor, Topographisch-Historische Beschreibung 324; Radies, HebardWU. 95-115; der Fehler Starzers, Beiträge 171, daß Niclas von Thurn (Vizedom von Cilli) zum Abgeordneten Krains auf dieser Gesandtschaft gewählt worden wäre, findet sich bei Richard Perger (Hrsg.), Wilhelm Kirchhofer. Erinnerungen eines Wiener Bürgermeisters 1519- 1522 (Wien 1984) 18 wieder. Ein zweiter Fehler Starzers fand ebenfalls Aufnahme in der neuesten Forschung: Er behauptete, daß Bartholomäus von Starhemberg (geb. 1459) als Gesandter nach Spanien gegangen sei (414). Seine Belegstelle bildete Johann Schwerd- ling, Geschichte des uralten und seit Jahrhunderten um Landesfürst und Vaterland höchst verdienten, theils fürstlich, theils gräflichen Hauses Starhemberg. (Linz 1830) 146-150, 38