Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)

BURKERT, Günther R.: Die Reise österreichischer Gesandter an den Hof Karls V. im Jahre 1519. Die bisherige Forschung und der Bericht Trojan von Auerspergs

Reise österreichischer Gesandter an den Hof Raris V. Megiser8) wiedergegebene Bericht über die Gesandtschaftsreise nach Spanien fand kaum Aufnahme. In anderen zeitgenössischen Quellen wird die Reise nach Spanien na­türlich auch erwähnt. So berichtet der Wiener Bürgermeister Wolfgang Kirchhofer9) von der Rückkehr Siebenbürgers vom Hof Karls und fügt hinzu, daß die Prozession der Wiener Bevölkerung zu seinen Reden gewaltig gewesen sei. Die Wiedergabe des Inhalts dieser Reden zeigt die falsche Information der Wiener, die zu politischen Fehleinschätzun­gen führte und im Wiener Neustädter Gericht endete. Das Datum der Rückkunft ist auch im Tagebuch des Johannes Cuspinian10) erwähnt, doch findet sich dort kein weiterer Hinweis. Etwas ausführlicher geht die „Narratio de dissensione“11) - in lateini­scher Sprache von einem Mitglied des alten Regiments verfaßt - auf die Ereignisse in Spanien ein, konzentriert sich dabei allerdings auf die Verhandlungen am Hof Karls. Allerdings völlig unbeachtet blieb bisher die Darstellung dieser Gesandtschaftsreise bei Marino Sanuto12), der mehrmals ausführlich darüber berichtet. II Das lange Tradieren der Berichte Herbersteins und Siebenbürgers machte die Forschung anscheinend für die stets gelehrte Textkritik im­mun. So fiel niemandem auf, daß im Bericht Siebenbürgers kein Wort über Zerwürfnisse der Stände zu finden ist. Er hatte anscheinend kein Interesse daran, daß in Wien jemand an seinem Erfolg in Spanien zwei­feln könnte oder daß die unterschiedliche Haltung der anderen Länder bekannt würde. Aber auch die Details Herbersteins wurden unkritisch aus den fast dreißig Jahre nach den Ereignissen verfaßten Selbstbiogra­phien übernommen, niemand stellte die grundsätzliche Frage, was Her­8) Chronick des löblichen Ertzhertzogthumbs Khaerndten 11 (Leipzig 1611) 1306ÍT.; als einziger übernimmt Heinrich Hermann, Handbuch der Geschichte des Herzog- thumbs Kärnten in Vereinigung mit den österreichischen Fürstenthümern 2 (Klagenfurt 1860) 4 diese Quelle, aus der die starke „Sympathie“ der Kärntner für die Österreicher unter der Enns hervorgeht. 9) Erinnerungen eines Wiener Bürgermeisters 1519-1522. Eingeleitet und herausge­geben von Richard Perger (Wien 1984) 90f. und Anm. 354. 10) Theodor Georg v. Karajan (Hrsg.), Tagebuch Johannes Cuspinian’s 1502-1527, in: Fontes rerum austriacarum 1/1 (Wien 1855) 412. 11) Hieronymus Pez (Hrsg.), Narratio de dissensione provincialum Austriae post obi­tum Maximiliani I. Caesaris augusti orto Viennae, in: Scriptores rerum Austriacarum 2 (Leipzig 1725) Spalte 992-995; zur Wertung dieser Quelle vgl. Vancsa, Quellen 21 und Anm. 1. 12) I Diarii 27 (Venedig 1890) 426 ff.; für den Hinweis auf diese Quelle und die Hilfe bei der Übersetzung habe ich Frau Dr. Andrea Lanzer herzlich zu danken. 35

Next

/
Oldalképek
Tartalom