Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)
KRAMML, Peter Franz: Die Administration des Bistums Wien nach dem Tod König Matthias' Korvinus von Ungarn. Eine Korrektur der Wiener Bischofsliste
Peter Franz Kramml Wiener Kirchenhistorikers Franz Loidl5) folgende - nicht in allen Bereichen zutreffende - Bischofsreihe fest in der Wiener Diözesange- schichtsschreibung verankert wurde: Dem ersten ernannten Bischof Leo von Spaur (1469-1479/80) folgten demnach bis zum Ende des 15.,lahrhunderts fünf Administratoren, nämlich Johann Beckensloer (1480-1482), Bernhard von Bohr (1482-1487), Urban Dóczi (1488- 1490), Matthias Scheit (1490-1493) und Johann Vitéz (1493-1499). Die Vorgeschichte der Wiener Bistumsgründung reicht bis in das frühe 13. Jahrhundert zurück, als sich die beiden letzten Babenbergerher- zöge, Leopold VI. und Friedrich II., um ein Wiener Landesbistum bemühten6). Auch die weitgespannten Pläne Ottokars II. Przemysl von Böhmen für eine kirchliche Neuorganisation sahen die Erhebung Wiens zum Bischofssitz vor - eine Idee, die die neuen Landesherren, die Habsburger, aufgriffen. Aufgrund beharrlicher Widerstände von seiten Salzburgs bzw. Passaus konnten allerdings weder Albrecht I. (1282- 1308) noch Rudolf IV. (1358-1365) die kirchliche Unabhängigkeit ihrer Residenzstadt durchsetzen. Mit der Erhebung von St. Stephan zur exemten, direkt dem Heiligen Stuhl unterstellten Kollegiatkirche und der Errichtung eines Kapitels (die Propstwahl und die Präsentation der Kanoniker wurde dem Landesherrn zugestanden) schuf Rudolf IV. aber die Voraussetzungen für eine Realisierung des Wiener Bistumsplanes7), die erst Kaiser Friedrich III. nach Überwindung gewaltiger kirchlicher, wirtschaftlicher und politischer Probleme - vor allem auch aufgrund der habsburgischen Länderteilungen - in Angriff nehmen konnte. Der Habsburger, der durch 53 Jahre das Reich regierte, zählt zweifelsohne zu den umstrittensten Herrschergestalten des Spätmittelalters, deren Wirken von den eigenen Zeitgenossen bis herauf in die modernste Literatur überwiegend negativ gesehen wurde8). Neuere Forschungen haben hingegen ein positiveres Bild des letzten in Rom gekrönten Kaisers 5) Loidl, Erzbistum Wien 334; Franz Loidl - Martin Rrexner, Wiens Bischöfe und Erzbischöfe (Wien 1983); vgl. auch die überwiegend negative Rezension von Peter Brou- cek in: Unsere Heimat 55(1984) 267f. 6) Flieder, Stephansdom 45ff; Loidl, Erzbistum Wien 11-19. 7) Flieder, Stephansdom 137ff. 8) Zum Forschungsstand vgl. Heinrich Roller, Neuere Forschungen zur Epoche Kaiser Friedrichs III., in: Bericht über den fünfzehnten österreichischen Historikertag in Salzburg 1981 (Veröffentlichungen des Verbandes Österreichischer Geschichtsvereine 23, Salzburg 1984) 42-57. Peter M. Lipburger, Über Kaiser FriedrichIII. (1440-1493) und die „Regesta FridericiIII.“, in: Jahrbuch der Universität Salzburg 1979-81 (Salzburg 1982) 127-151. 10