Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. (1990)

PERGER, Richard: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg 1513 und seine Folgen

Aufruhr im Stift Klosterneuburg 1513 Schon am 17. November 1517 antwortete das Stift105); vorsorglich hatte Propst Georg ein Begleitschreiben für den kaiserlichen Sekretär Anton Stoß beigefügt und ihn um Einschaltung des kaiserlichen Kammerdie­ners Mathes Hofer gebeten106). Man dankte dem Kaiser überschweng­lich für sein Entgegenkommen, die Unterfertigung des vorbereiteten Reverses aber lehnte man ab, weil dies gegen die Statuten und Privile­gien des Stiftes verstoßen würde. Die Reaktion des Kaisers aus Baden bei Wien vom 20.November 1517 war ungnädig107); er sei keineswegs der Meinung, daß die Ausstellung des Reverses gegen die Stiftsprivile­gien verstoßen würde. Abschriften dieser Privilegien und der Statuten des Stiftes seien ihm umgehend zu übermitteln, das Stift würde erken­nen, daß es sich „unpillichen geweugert“ habe. Ohne die Übersendung der Abschriften abzuwarten, erschien Kaiser Maximilian am 23. November 1517 höchstpersönlich im Stift Kloster­neuburg108 109). Über diesen Besuch gibt es zwei Notizen; die eine lau­tet100): „... Auff solich Kay. Mt. etc. begernn ist Irer Mt. durch den prelaten, techant unnd sechs brueder von dem convent der stifftbrieff, babstliche bullen, regi, Statut, forma profes­sionis, aidsphlicht des prelaten, litterae confirmacionis durch den hernn bischoff von dem prelaten emphangen, capitln statutorum de racione officialium et prelati fuergetra- gen zu closterneuburg in des herzogen zymer in dem klaynn stublein110) daselbst verle­sen Ka. Mt. etc. in gegenburtikait des brobst von Wienn, hernn Erhardtn von Polhaim, Jörgen Emerstorffer, Wilhalben Schürften, Anthoni Stoss, N. Mayner unnd ander Kay. Mt. rätt. Hiera uff hat Kay. Mt. dysen beschaid geben: Ir Mt. wer verschiner zeit der zwytracht unnd vnainigkait halben, so zwischen dem prelaten unnd convent sich zuegetragen het, verursacht sich in dy Sachen zu schlahen. Nun aber Ier Mt. merket, das solich zwitracht hingelegt unnd mer khain mangl bey dem gotshaus gespuert, wold er dy sach lassen ruen, doch mit sinen reten weiter noch ain mal reden. Also ist Ier Mt. abgeschieden unnd dy sach nicht weiter ersuecht worden.“ In der zweiten, textlich etwas abweichenden Notiz111) wird unter ande­rem erwähnt, daß dem Kaiser ein Privileg, das er selbst unterschrieben hatte, vorgelegt wurde. Auch habe Maximilian seine Erklärungen nicht selbst abgegeben, sondern durch den Wiener Dompropst Paul von 105) HKA Niederösterr. Herrschaftsakten K41/A1 fol. 104-105v (undatiert); StiAKl. Karton Briefe Hausmannstetters und anderer Pröpste (Undatiert); StiAKl. Karton 8 Fasz. kaiserl. Geldanleihen (hier irrtümlich mit Datum 24. November, vgl. StiAKl. Hs. 6 fol. 8). 106) StiAKl. Karton 8 Faszikel kaiserl. Geldanleihen. 107) StiAKl. Karton Briefe Hausmannstetters und anderer Pröpste, und Karton 8 Fasz. kaiserl. Geldanleihen. 108) Das Datum bei Kraus Itinerarium 89. 109) Annex einer Abschrift des kaiserl. Briefes aus Baden 1517 November 20 (StiAKl. Karton 8 Fasz. kaiserl. Geldanleihen). 110) Das Herzogszimmer befand sich vermutlich im stiftlichen Fürstentrakt, in dem seit 1973 das StiAKl. untergebracht ist. 111) StiAKl. Karton 8 Fasz. kaiserl. Geldanleihen loses Blatt. 39

Next

/
Oldalképek
Tartalom