Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. (1990)

PERGER, Richard: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg 1513 und seine Folgen

Aufruhr im Stift Klosterneuburg 1513 seculi calamitoso exilio tamen ecclesiasticis premuniti dies suos clause­runt extremos“53). Außerdem traf das Regiment eine vorläufige Ent­scheidung über die künftige Zusammenarbeit zwischen Propst und Konvent; danach sollte der Propst wieder selbst die Verwaltung des Stiftes übernehmen, von der Mitarbeit im Regiment wurde er dispen­siert, die endgültige Schlichtung des Konflikts sollte der Kaiser vorneh­men54). Als Laurenz Saurer, aus Augsburg kommend, in Wien eintraf, war er über das, was sich inzwischen ereignet hatte, entsetzt. In seinem Brief an den Hofkanzler Sernthein vom 26. Mai 1513 zittert noch die Aufre­gung nach: „... Ich verkündt Euch, das ich hie her gen Wienn kumen bin, warlich groß widerwert- tigkeit befunden. Wie ich der Kay. Mt. hiemit anzaig, tuet meins bedunckens not, das Kay. Mt. ain mall in lanndt kom, damit doch der gemain man auch sech und weste, das er ainen hern hiet und nicht in aigem willen lebt. Demnach bit ich, Eur Gnaden wolle darine helffen und ratten, das Ier Mt. ainen ridt herab fuernemb, ist um ain kurtze zeit ze thain. Ich dannck Got, das wir guet nachpaurn haben. Die herren vom regemennt hab ich hier nicht funden dan herren Jorgen von Rottall, wird die tag ankumben... Die munich zu Klosterneuburgk haben ain solhe grose empörung mit irer handlung aufge- richt, das ich Eur Gnad davon nicht schreiben kann; will aber, so vili mir müglichen ist, helfen ablöschen und das volck stillen, wiert tapffer hanndlung in der Sachen not thuen... “55 56) Bald darauf, am 9. Juni 1513, meldete Saurer dem Hofkanzler die An­kunft des neuen obersten Hauptmanns Markgraf Ernst von Baden: „... Ich fueg Eur Gnaden zu vernemen, das mein gnediger her Margkgrave Ernnst von Paden herkumben ist und seinen einganng an all der Kay. Mt. bevelh dermasen gemacht, als ob Kay. Mt. in aigner person da gewesen wer. Nun schreibt hiemit das regement, Kay. Mt. befind etwo allerlay beschwerung, Gott woll, das es alles Kay. Mt. lannden und leutten zu guettem kumb, darzue ich fuer mein personn so vili mit müglheit gern helfen und ratten will. Eur Gnad tragt guet wissen, was ich mit Eur Gnad geredt hab, verwech mich, es werde sich noch allerlay zuetragen... “5e) Saurer erinnert damit an die Bedenken, die er in Augsburg gegen die Eignung des Markgrafen für den Vorsitz im Regiment vorgebracht 53) StiAKl. Urkunde 1513 Oktober 10; Abschrift StiAKl. Karton 545 n. 1. Es handelt sich um ein Rundschreiben, mit dem Propst Georg (Hausmannstetter), Dechant Wolf­gang (Gaunersdorfer) und der Konvent zu Gebeten für verschiedene Verstorbene aufru- fen. Auch im Klosterneuburger Nekrolog (MG Neer. 5 59, 60.) sind bei Konrad Peuntner alias Steinacher und bei Johannes Zimmerhackl der 23. bzw. 27. September 1513 als Todestage angegeben; dagegen ebenda 45 der Sterbetag des Wolfgang Moshaimer offen­bar irrtümlich mit 21. Juli 1512 (statt 19. Juli 1513). 54) Vgl. Schreiben des Kaisers 1514 März 12: siehe unten S. 33 mit Anm. 80. 55) TEA Maxirniliana XIII/256/IX fol.40-41v. Zitiert bei Ruth Schlesinger Maximi­lians I. Beziehung zur Kirche und Religion (phil. Diss. Graz 1979) 176 Anm. 3, danach Wiesflecker Maximilian I. 5 (Wien 1986) 267, 722 Anm. 20, ohne den Aufruhr näher zu behandeln. Siehe auch unten S. 29 mit Anm. 62. 56) TLA Maxirniliana XIH/256/IX fol.45-45v. 27

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