Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. (1990)
AGSTNER, Rudolf: Das Hôtel Matignon als k. u. k. Botschaft in Paris 1889–1914
Hotel Matignon als k. u. k. Botschaft in Paris ches. Bei seinem Tod hinterließ er ein Vermögen von 220 Millionen Francs. Seine Gattin, Marie Marquise de Brignole-Sale24), war die Tochter von Antonio Brignole-Sale (1786-1863), von 1836 bis 1848 Botschafter Sardiniens in Paris und 1849 in Wien; dieser war in späteren Jahren Gegenspieler Camillo Cavours als Exponent der konservativ-katholischen Kreise im sardinisch-piemontesischen Adel, die eine enge Anlehnung an das Kaiserhaus Österreich befürworteten25). Der Sohn des Herzogs und der Herzogin, Philippe de Ferarri26), war weder am Titel noch am Vermögen seines Vaters interessiert27). Dieses gesprengten - Eisenbahnbrücke Straßburg-Kehl. Moniteur des Communes vom 11. April 1861, 111. 24) *5. April 1811 Genua, 19. Dezember 1888 Paris. 25) Zur gesellschaftlichen Stellung der Herzogin siehe: Fingt cinq ans ä Paris (1826- 1852) - Journal du Comte Apponyi, Tome IV 1844-1852 (Paris 1926) 66, 108, 110, 297, 503, 308, 311, 314, 315, 327, 334, 336, 339, 357, 358, 362, 369, 400, 405, 419, 448. 26) *11. Jänner 1850 Paris, |20.Mai 1917 Lausanne. 27) Literatur zu Philippe de Ferrari: Carlrichard Brühl Geschichte der Philatelie I (Hildesheim-Zürich-New York 1985) Kapitel „Philipp La Renotiére von Ferrary“, 168- 203, zitiert als: Brühl-, zur Weigerung Ferraris, der ein zerrüttetes Verhältnis zu seinem Vater hatte, dessen italienische Titel zu führen, siehe Brühl 171 f; von Philippe sind mehrere Geburtsdaten und -orte bekannt: 10. bzw. 11.Jänner 1850 Paris, l.Mai 1850 Heidelberg, l.Mai 1868 Berzona/Tessin; letztere Daten stehen auf seinem Wiener Meldezettel aus 1906 und der Sterbeurkunde aus 1917. In dem Gesuch um Heimatrecht an die Gemeinde Braunau/Broumov(Böhmen), das er mit 30. September 1885 erhielt, ist sein Geburtsdatum mit l.Mai 1868, Geburtsort Heidelberg, angegeben. Er war französischer, österreichischer (seit 1885), badischer und Schweizer (seit 1908) Staatsbürger. Von 1906 bis 1909 lebte Philippe de Ferrari in Wien, wo er sich auch 1911 aufhielt. Den Ausbruch des Ersten Weltkrieges erlebt er in Holland, von wo er nach Paris zurückkehrt. 1914/15 lebt er in Wien, danach in Steinbach am Attersee. Nachdem ihm die Wiedereinreise nach Frankreich verwehrt worden war, lebt er in der Schweiz, wo er 1917 verstarb (Brühl 184). Er erwarb 1904 das „Archkogelhaus/Ari“, Nr. 15 zu Au, Herrschaft Wildenstein, GB Untersee, GBNr. 128 OW, Einlagezahl 102, Bez.Gericht Bad Ischl. Durch Beschluß des Gemeindeausschusses von Steinbach am Attersee vom 19. Juni 1915 wurde er Ehrenbürger dieser Gemeinde, in der er heimatberechtigt war und wo er am 5. Dezember 1917 begraben wurde. Dieser Gemeinde hatte er in seinem Testament vom 30.Jän- ner 1915 eine immerwährende jährliche Rente von 10.000 Kronen vermacht. Seinem testamentarischen Wunsch gemäß trägt sein Grabstein nur die Inschrift „Hier ruht Philipp Arnold, gest. im Mai 1917 in Lausanne“. Das Grab bestand bis ca. 1947; heute ist der Grabstein an der Vorderseite der Kirche zum Hl. Andreas in Steinbach am Attersee (rechts neben der Sakristei) eingelassen. An ihn erinnert die von ihm gestiftete, derzeit gesperrte „Ferrarikapelle“ in Burgbachau, Gemeinde St. Gilgen (Mitteilung Petra Wimmer, Aussee). Xavier Marmier, Journal (1848-1890), törne II (Genf 1968), 373-374, zitiert nach Brühl 175f: „Der Herzog von Galliera hinterläßt einen einzigen Sohn, der das eigenartigste Wesen ist, das man sich vorstellen kann: unbeholfen, dabei recht gut aussehend, mit Augen, die niemanden ansehen können und wilden Gesten. Er verfügt über Geistesgaben, ist gebildet, aber voller ungeordneter Gedanken; sehr vernünftig in einigen Punkten, absolut unsinnig in anderen. Man möchte meinen, daß sein Gehirn zweige219