Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. (1990)

KUPRIAN, Hermann J. W.: „ …damit auch die Begabteren in Hinkunft dem Archivdienste treu bleiben…“. Ein Beitrag zur Geschichte des österreichischen Archivwesens 1892–1923

Zur Geschichte des österreichischen Archivwesens des Innsbrucker Statthaltereiarchivs25) als seine Hauptaufgabe, den wissenschaftlichen Wert des ihm anvertrauten Archivs zu heben und die innere Organisation effizienter zu gestalten. Mit tatkräftiger Unter­stützung der beiden Statthalter Franz Graf Merveldt26) und Erwin Frei­herr von Schwartzenau27) gelang ihm dies in den folgenden Jahren auch ohne größere Schwierigkeiten, sodaß nicht nur der infolge um­fangreicher - wenngleich umstrittener - Akteneinziehungen notwendig gewordene Bau eines neuen Archivgebäudes unmittelbar bevor­stand28), sondern darüber hinaus auch der Personalstand beträchtlich erhöht werden konnte29). Dennoch, für den engagierten Archivdirektor lag das Grundproblem weit weniger in der fehlenden Zahl an qualifi­zierten Archivkräften ais vielmehr im geringen Stellenwert, den dieser Beruf um die Jahrhundertwende im sozialen und wissenschaftlichen Gefüge einnahm. „Da die archivalische Arbeit in den Augen der Wissen­schaft gewöhnlich keine Gnade findet, stehe ich eigentlich als fauler Privatdozent da“30), klagte Mayr über die offenbar tief empfundene Un­vereinbarkeit von Archivarbeit und Forschung, während er ein ander­mal dagegenhielt, daß das Archiv erst in letzter Linie wissenschaftlicher Tummelplatz der Beamten sein dürfe31). Auch die negativen Folgen einer derartigen Diskriminierung hatte er sogleich erkannt, denn er befürchtete, daß die „befähigteren Elemente eine Stelle in einem nicht organisierten Archiv nur als Übergangsstadium für eine bessere Stel­lung betrachten“ würden32). Schon 1896 hatte er deshalb versucht, ge­meinsam mit Schönherr einen richtungsweisenden Schritt zu setzen, 25) Mit Statthalterei-Erlaß vom 17. März 1897 trat Mayr die Nachfolge David von Schönherrs als Archivdirektor II. Klasse der VIII. Rangklasse an. Bereits 1899 wurde er Archivdirektor I. Klasse der VII. Rangklasse, was sich wohl primär in einer finanziellen Verbesserung ausdrückte. Vgl. AVA Staatskanzlei/BKA (alt), Karton 76, Standesausweis Michael Mayr bei ZI. 280/1921. 26) Michael Mayr Das k. k. Statthaltereiarchiv in Innsbruck in Mitteilungen der 3. Ar­chivsektion der k. k. Zentralkommission zur Erforschung der Kunst, und historischen Denkmale, Band 2, Wien 1894, 60f. Zu Franz Karl Graf Merveldt (1844-1916) siehe Anton Bundsmann, Die Landeschefs von Tirol und Vorarlberg in der Zeit von 1813-1913 Schlernschriften 117, Innsbruck 1954, 147—175. 27) Über Erwin von Schwartzenau (1858-1926) Bundsmann 173-204. 28) Vgl. Michael Mayr Zum 40jährigen Bestände des Innsbrucker Statthalterei-Ar- chives in Forschungen und Mitteilungen zur Geschichte Tirols und Vorarlbergs 3(1906) 249-256; ders. Bericht über die Tätigkeit des Statthalterei-Archives zu Innsbruck im Jahre 1903 ebenda 171-177. 29) Kramer Mayr 238; Stolz Geschichte und Bestände 19. 30) Zit. nach Goldinger Archivwesen 94. 31) Vgl. Walter Goldinger Die österreichischen Archive und die Geschichtswissen­schaft in MÖStA 7(1954) 165-189, besonders 182. 32) Mayr Das k. k. Statthalterei-Archiv 63. 199

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