Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 39. (1986)

SCHÖNFELLNER, Franz: Der Bund als Gesellschafter der WÖK in der Ersten Republik

Der Bund als Gesellschafter der WÖK 163 Der Umsatz ging 1932 weiter zurück; im Laufe des Jahres mußten drei der 24 in Betrieb stehenden Küchen deswegen stillgelegt werden, auch die Zahl der Angestellten und Arbeiter wurde laufend verringert - 1930 hatte die WÖK 950 Beschäftigte, zu Jahresende 1933 nur mehr 533. Die Mitarbeiter erhielten statt einer Naturalverpflegung eine finanzielle Abgeltung, was ebenfalls rund S 40.000,- pro Jahr einsparte. Viele Gäste konsumierten statt eines Menüs nur mehr eine Suppe und Gemüse, oder — wie der Bilanzbericht nicht zuletzt angesichts der Beschwerden der Zuckerbäcker hervorhob - eine Mehlspeise; nicht selten würden zwei Gäste gemeinsam ein Menü verzehren. Der Rech­nungshof, der nun regelmäßig die Bilanzen prüfte, bezifferte den Abgang für 1932 mit S 120.000,—5S). Die Kontrollore forderten in ihrem Prüfungsbericht vor allem strenge Maßnahmen gegen den 1932 entlassenen Generaldirektor Hammerschlag und einen Buchhalter, da Hammerschlag verdächtigt wurde, von Lieferfirmen Provisionen verlangt zu haben, und der Buchhalter seine Machenschaften gedeckt hatte. Hier klingt das dritte Problem an, das dem Unternehmen schwer zu schaffen machte: Die Führung steckte in argen Schwierigkeiten. Im März 1931 wandte sich Dr. Hlavac an das Finanzministerium und berichte­te, daß Prof. Fränkel vorgeschlagen habe, daß alle Aufsichtsratsmitglieder auf ihre Gebühren verzichten sollten, womit er gar nicht einverstanden sei59 60). Er teilte nun mit, daß er in Erfahrung gebracht habe, daß Oberrechnungsrat Vaget monatlich S 300,- und Sektionschef Dr. Degischer monatlich S 250,- von der WÖK bezogen hätten, allerdings nicht für ihre Tätigkeit im Aufsichtsrat, sondern für besondere Aufgaben als Kontrollore. Auch Prof. Durig hatte demnach S 200,- im Monat als Speisenbegutachter erhalten. Prof. Durig hatte nun in einem Brief an Prof. Fränkel erklärt, daß er ab März 1931 darauf verzichten werde, und nun forderte der Präsident des Aufsichtsrates, daß alle Mitglieder diesem Beispiel folgen sollten. In der Generalversammlung vom 30. April 193161) wurde beschlossen, daß der Präsident S 400,—, der Vizepräsident S 300,- und jedes weitere Mitglied des Aufsichtsrates S 200,— im Monat erhalten sollten, was mit 1. Juli 1932 auf S 300,-/285,-/190,- herabgesetzt wurde. Dr. Hlavac aber war unzufrieden; im Sommer 1932 erklärte er, Oberrechnungsrat Vaget hätte schon 1930 S 400,- im Monat erhalten und damals nach einer Aussprache versprochen, darauf zu verzichten. Vaget habe sich aber, so vermutete Dr. Hlavac weiter, an ihre Absprache nicht gehalten, deshalb fordere er nun eine entsprechende Zulage vom Bund, da auch ihm S 400,— und nicht S 200,- zustünden. Das Finanzmini­sterium wies sein Ansuchen zurück und ging dabei auf seine Anschuldigungen gegen Vaget nicht weiter ein, offensichtlich waren sie gegenstandslos62). Frau Dr. Motzko regte in der Folge sogar einen völligen Verzicht der Bundes­59) FA Dept. 23 ZI. 3.398-23/1933. 60) FA Dept. 23 ZI. 20.302-23/1931. 61) FA Dept. 23 ZI. 35.131-23/1931. 62) FA Dept. 23 ZI. 689-23/1932, 80.069-23/1932. Dr. Hlavac erhielt ohnehin S 285,— pro Monat. li*

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