Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)

PETRITSCH, Ernst Dieter: Der habsburgisch-osmanische Friedensvertrag des Jahres 1547

Der habsburgisch-osmanische Friedensvertrag des Jahres 1547 73 Denen, die unser gesegnetes Vertragswerk lesen und davon hören, sei bekanntgege­ben, daß der König der Römer und der dazugehörigen Orte, König Ferdinand, an meinen ruhmvollen und erlauchten Hohen Hof seinen fähigen Gesandten* 42 43 44) und seine Dienstleute geschickt hat. Er bat um meine kaiserliche Gnade, daß mit meiner Pforte der Glückseligkeit Friede und Ein­tracht und zwischen uns Freundschaft be­stehen möge. Er unterbreitete ferner, daß der Gesandte auch als Bevollmächtigter seines Bruders, des Königs im Lande Spa­nien, Kärlo45), geschickt worden sei. Wei­ters begehrte er meinen edlen Waffenstill­stand, um für diejenigen Orte in der Pro­vinz Üngürüs46), die sich de facto in der Hand der Christen befinden, als Gegenlei­stung jährlich dreißigtausend ungarische Goldmünzen an meinen glückseligen Hof zu schicken. Da er die Bitte um Zuneigung und Huld ausgesprochen hat, wurde ihm und dem erwähnten König von Spanien aus meiner vollkommenen monarchischen Gnade mein edler Waffenstillstand ge­schenkt. Über folgende Bedingungen wur­den Erklärungen abgegeben: disen untherdenig seind und welchi mit meinem gewaltigen sharffen shwerdt ge- bungen42) seind etc., und noch full andern landen und nation, uber alii kayser gros- mechtigister kay(ser), und über alle hem unuberwuntlichister her, sultani sultan Suileiman Shachu, sun des kaysers sultan Selym Han, welcher ain sun des kaysers sultan Pajesid gewesen ist etc. Disen unsem unmassigen43) May. selig und warhafftig prieff, wer ien lesen aber heren wirdt, wis und peken öffentlich, wie der Ro(misch) und noch full landen khunig Ferdinandus an mein durchleichtign, gros- mechtign hoff sein vertrauti potshafft44) undt diener geshickht, mit meiner Khay. May. gueten frid zue machen und fraint- shafft zue pinden; von deswegen uns dar- auff demutiklich angeruffen und gepetten, das ich iem in solchem mit genediger fur- sehung umb frid und fraintshafft wegen unser genaden prieff und privilegium ge­ben soldt; und auch die penant potshafft, wie sein prueder Carlo45) hispanisher khu­nig von frid wegen mit meiner Khay. May. fraintshafft zue machen undd) zue pe- shluesen pevelch hab, angezaigt hat, sol- lichs aus pevelch hispanishen khunig Car­lo die potshafft an meinem grosmechtign hoff angezaigt; und in Ungerlandt, was in den christishen henden und regierung ist, von deswegen soldt alle jar an mein Kay. May. hoff und earner dresig tausent unge- rish gulden geshickht wemn; über disen pundt und Versprechung penanter Ro(mi- scher) khunig von unser genedign May. frei und fridt prieff und privilegium pe- gerdt und gepetten hat. Darumb das ich demnach angesehen sollich pillich bitt, umb deswegen iem und seinem prüdem khunig Carlo von wegen gueter fraint­shafft und fridt meines kaysersthum privi­legiarius prieff gegeben und verlyhen, wie ich dan sollichs hiemit in Khay. privilegio angezaigt und pis auff funff jar gegeben und verliehen hab: d) Über der Zeile eingefügt. 42) gewonnen. 43) unermeßlichen. 44) Gehard Veltwyck (vgl. oben Anm. 22). 4ä) Kaiser Karl V. Im folgenden mit Karl wiedergegeben. 46) Nachfolgend stets mit Ungam wiedergegeben.

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