Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)

PETRITSCH, Ernst Dieter: Der habsburgisch-osmanische Friedensvertrag des Jahres 1547

Der habsburgisch-osmanische Friedensvertrag des Jahres 1547 61 Ähnlich in einem gemeinsam mit Salm verfaßten Bericht: „Unnser tulmatsch, so wir bei dem kaiser und allen wascha gehabt, ist ein teutscher gebom von Wienn, ains burgers sun, khan das teutsch noch zimblich; ist auch der, so das turckhisch glaidt, das Cristoff gepracht, zu teutsch gemacht hat“5I). Infolge Abschreibe- oder Druckfehlern erhält die Beschreibung des Empfangs der habsburgischen Gesandtschaft bei Joseph von Hammer folgendes Aus­sehen: „Ans Land gestiegen, wurden die Bothschafter nicht durch den Pfortendolmetsch Junis- beg52), sondern durch den zweyten, Teinz Tulman, den zu Wien gebomen Sohn eines Krämers, Johann’s von Pibrach, und den Tschauschbaschi bewillkommt, . . ,“53). Aus dem „teutsch tulmatz“ wurde also ein „Teinz Tulman“; an späterer Stelle, in einer allerdings sehr lückenhaften Liste der Pfortendolmetscher, nennt ihn Hammer „Heinz der Deutsche“54). Zum „Heinz Tulman“ gewandelt, taucht unser Pfortendolmetscher auch in der Sekundärliteratur öfters auf55). Sebold, der Sohn des bürgerlichen Kaufmanns Jakob von Pibrach, in Wien geboren56), der den muslimischen Namen Mahmüd trug, muß der Übersetzer unserer Urkunde gewesen sein. Wann und auf welche Weise er osmanischer Untertan wurde, ist unbekannt. Aus der Bemerkung Salms und Herbersteins, daß er „das teutsch noch zimblich“ beherrsche, läßt sich schließen, daß er sich schon lange Zeit - vielleicht seit 1529? — in osmanischen Diensten befand. Als Pfortendolmetscher taucht er jedoch vor 1541 nicht auf. Bei den Friedensver­handlungen der Jahre 1546/47 muß er bereits eine gewisse Rolle gespielt haben. Der habsburgische Resident Malvezzi beantragte nämlich für Mahmüd ein Geschenk von 200 Dukaten. Da er wohl ahnte, daß die Hofkammer diesen 51) Bericht Salms und Herbersteins, nach 1541 September 16: HHStA Turcica 5 Konv. 3 (1541 August - Dezember) fol. 21-34, hier fol. 27v. 52) Dieser nahm am Ungarn-Feldzug nämlich gar nicht teil! Laut Matuz Pfortendol- metscher 41 starb Yünis Beg angeblich 1541/42, obwohl ebenda 42 von einer diplomati­schen Mission im Jahr 1543 die Rede ist. Michel Lesure Michel Öemovic „Explorator secretus“ ä Constantinople (1556-1563) in Turcica. Revue d’études turques 15 (1983) 127-154 korrigierte in Anm. 2 bereits Matuz’ Irrtum. Yünis Beg, der in Wirklichkeit 1551 starb, richtete 1550 Mai 26 ein eigenhändiges Schreiben an Ferdinand I.: HHStA Turcica 8 Konv. 3 (1550 April - Juni) fol. 198f. 53) Joseph von Hammer Geschichte des Osmanischen Reiches 3 (Pest 1828, Neu­druck Graz 1963) 236; ebenda 2 (Pest 21834) 175. 54) Hammer Geschichte 7 (Pest 1831) 627. 55) Franz Babinger Der Pfortendolmetsch Murád und seine Schriften in Literatur­denkmäler aus Ungarns Türkenzeit (Ungarische Bibliothek I 14, Berlin—Leipzig 1927) 33—54, hier 38 Anm. 1; Matuz Pfortendolmetscher 27 Anm. 10, 31 Anm. 37, 37, 51 f n. 5 (Herberstein und Salm trafen übrigens nicht in Konstantinopel, sondern in Alt-Ofen ein). 56) Über Jakob von Pibrach und seine Familie sind im Wiener Stadt- und Landesar­chiv leider keine Dokumente erhalten geblieben. Da es sich um Bürgerliche handelt, bezeichnet „von Pibrach“ wohl die Herkunft, ein Familienname wird nicht genannt; möglicherweise handelt es sich aber um eine jüdische Kaufmannsfamilie. Meinem Kolle­gen Dr. Klaus Lohrmann vom Wiener Stadt- und Landesarchiv spreche ich für die zeitaufwendige, leider ergebnislose Suche meinen herzlichsten Dank aus.

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