Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)

MIKOLETZKY, Lorenz: Zehnter Internationaler Archivkongreß Bonn 1984

Plädoyer für die Kulturgeschichte 433 lern, Sozialhistorikern, Kunst- und Literaturwissenschaftlern hervorge­bracht wurde? Er scheint übersehen zu wollen, das sich alle diese Teil­disziplinen zu umfassenden Spezialwissenschaften mit eigenen Lehrge­bäuden ausgewachsen haben, deren Inhalt von einem Einzelnen nur mehr ansatzweise erfaßt werden kann. Wollte man anderes behaupten, würde das eine hochgradige Geringschätzung dieser Wissensgebiete vorausset­zen. Ich möchte auf eine weitere Rezension eingehen, in der ähnliche Gedan­kenlosigkeit bzw. Abhängigkeit von den augenblicklichen Wissenschafts­moden spürbar wird 32 33 *). Bei dem besprochenen Werk handelt es sich um einen Band aus dem Serienwerk Die Wiener Ringstraße. Bild einer Epo­che. Die Erweiterung der Inneren Stadt Wien unter Kaiser Franz Jo­seph 3S). Die Arbeit an dieser Serie begann 1964, der erste Band erschien 1969, die letzten beiden 1981. Während dieses langen Zeitraumes gab es naturgemäß manche Planungsänderung. Unangefochten blieb jedoch das ursprüngliche Konzept, das Untersuchungsobjekt „Ringstraße“ sei von Vertretern verschiedener Wissenschaftsfächer zu beleuchten. Außer den vielen Spezialisten aus dem Fach Kunstgeschichte waren dafür Histori­ker, Wirtschaftshistoriker, Techniker und Geologen vorgesehen. Für den einzelnen Mitarbeiter bestand daher seit Beginn die doppelte Verpflichtung, einerseits ein in sich abgeschlossenes Werk zu verfassen, andererseits die gegenseitigen Forschungsgebiete zu respektieren und die durch den ersten Grundsatz fallweise nötigen Überschneidungen in mög­lichst engen Grenzen zu halten. Das Terrain für den wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Band war eo ipso klar abgesteckt. Für den „allge­mein“ historischen Band (ursprünglich unter dem Titel „Historischer Überblick“ oder „Historische Grundlage“ geführt) ergab sich schon nach den ersten Arbeitssitzungen des Teams als sinnvolle Forschungsaufgabe ein Gebiet zwischen den Fronten von politischer Geschichte, Wirtschafts­geschichte und Kunstgeschichte. 32) Georg ffacha in MÖStA 35 (1982) 533—537. 33) Hg. Renate Wagner-Rieger. Träger Fritz Thyssen-Stiftung. Titel der Bände: I: Das Kunstwerk im Bild (Wien 1969). II: Geschichte und Kulturleben der Wiener Ringstraße (Wiesbaden 1979). III: Planung und Verwirklichung der Wiener Ringstraßenzone (Wiesbaden 1980). IV: Die Steine der Wiener Ringstraße (Wiesbaden 1972). V: Wirtschaft und Gesellschaft der Wiener Stadterweiterung (Wiesbaden 1975). VI: Wirtschaftsfunktion und Sozialstruktur der Wiener Ring­straße (Wien 1970). VII: Der Wohnbau der Wiener Ringstraße im Historismus 1855—1896 (Wiesbaden 1976). — VIII: Die Bauten und ihre Architekten, 1 : Das Wiener Opernhaus (Wiesbaden 1972), 2: Friedrich von Schmidt. Gottfried Sem­per. Carl von Hasenauer (Wiesbaden 1978), 3: Heinrich von Ferstel (Wiesbaden 1974), 4: Theophil von Hansen (Wiesbaden 1980). — IX: Die Plastik der Wiener Ringstraße, 1: Ringstraßendenkmäler (Wiesbaden 1973), 2: Künstlerische Ent­wicklung 1890—1918 (Wiesbaden 1976), 3: Von der Spätromantik bis zur Wende um 1900 (Wiesbaden 1981). — X: Die Malerei der Wiener Ringstraße (Wiesbaden 1981). XI: Die Bautechnik der Wiener Ringstraße (Wiesbaden 1979). Mitteilungen, Band 38 28

Next

/
Oldalképek
Tartalom