Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)
SCHMIDL, Erwin A.: Zur Geschichte der k. (u.) k. Konsularvertretungen im südlichen Afrika bis zum Ersten Weltkrieg
250 Erwin A. Schmidl Bewußt unberücksichtigt blieben in diesem Abschnitt die insgesamt etwa 100 bis 150 freiwilligen Kriegsteilnehmer aus der Donaumonarchie. Als Kombattanten hatten sie grundsätzlich einen anderen Status als die vom Krieg betroffenen Zivilisten. Die Konsularvertreter hatten mit den Freiwilligen, die größtenteils auf burischer Seite fochten, auch kaum Kontakte. Immerhin sollten zwei Ausnahmen erwähnt werden: Der ehemalige k. u. k. Dragoner-Oberleutnant Viktor Freiherr von Ramberg, der in britischen Diensten am Südafrikanischen Krieg teilnahm, war Cousin des k. u. k. Konsularsekretärs Egon von Ramberg, der in Kapstadt amtierte. Und eine besonders „schillernde“ Gestalt, der gewesene Oberleutnant August Meyer vom k. u. k. Infanterieregiment Nr. 101, war zwischen seiner Zeit als Freiwilliger auf burischer Seite und seiner Dienstleistung bei den britischen Kolonialtruppen — wo er es immerhin bis zum Captain brachte — sogar kurz als Aushilfskraft am Generalkonsulat in Kapstadt angestellt108a). IX Der Südafrikanische Krieg beschleunigte naturgemäß auch das österreichische Vorhaben, im Transvaal eine Konsularvertretung zu errichten. Die Auswahl eines Kandidaten für die Honorarkonsulswürde freilich war durch den Krieg noch diffiziler geworden. Adolf Epler hatte sich zwar um die Situation der „Conationalen“ im Kriege höchst verdient gemacht, war aber bei den britischen Behörden ob seiner engen Beziehungen zur ehemaligen südafrikanischen Regierung wenig beliebt. Seine geschäftliche Stellung erschien den Beamten in Kapstadt durch die Gegnerschaft zu mächtigen Gesellschaften, vor allem zur „Ad. Goerz & Co“, erschüttert 109). Julius Jeppe war beinahe Idealkandidat, zumal er als höchst anglophil galt, hatte aber als Bürger aktiv am Krieg teilnehmen müssen und war am Modder-River (wohl bei Paardeberg) von britischen Truppen gefangengenommen worden. Als möglichen neuen Bewerber nannte Konsul Hirsch schließlich noch den Grafen Christoph Sizzo-Noris, geboren 1856 in Covello (Tirol), k. k. Kämmerer und Oberleutnant der Reserve 110), der in Johannesburg eine leitende Stellung bei der „Ad. Goerz & Co.“ bekleiio8a) Schmidt Österreicher 298—306. 10B) Es mag hier auch eine Rolle gespielt haben, daß sich die „Ad. Goerz & Co.“ und vor allem ihre leitenden Angestellten österreichischer Herkunft, Heinrich Strakosch und Graf Sizzo-Noris, bester Beziehungen zu den Beamten am k. u. k. Generalkonsulat in Kapstadt erfreuten. Heinrich, später Sir Henry, Strakosch (1871—1943) erlangte später als Währungspolitiker und Experte auf dem Gebiete der Goldwirtschaft internationale Anerkennung. Als Vorsitzender des Wirtschafts- und Finanzkomitees des Völkerbundes wirkte er u. a. auch an der Sanierung der österreichischen Währung in den 1920er Jahren mit. Vgl. Jakob Baxa 1867—1967. Hundert Jahre Hohenauer Zuckerfabrik der Brüder Strakosch (Wien 1967) 29 f. 110) Qualifikationsliste Sizzo-Noris: KA Qualifikationslisten Fasz. 2741.