Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)
SCHMIDL, Erwin A.: Zur Geschichte der k. (u.) k. Konsularvertretungen im südlichen Afrika bis zum Ersten Weltkrieg
K. u. k. Konsularvertretungen im südlichen Afrika 247 völkerung gegenüber keineswegs immer korrekt. So im Fall des 1869 in Könitz geborenen Bäckermeisters Josef Eschner, den der Burenkrieg um seine Existenz brachte. 1896 hatte Eschner eine Bäckerei in Modderfontein gekauft, die er so erfolgreich führte, daß er bald eine Filiale in La Rochelle (beides Vororte von Johannesburg) eröffnen konnte. Insgesamt beschäftigte er acht Gehilfen, davon vier Schwarze. Kurz nach Kriegsausbruch requirierten Polizisten drei seiner fünf Pferde — völlig ordnungsgemäß gegen Ausfolgung einer Bestätigung. Weniger korrekt verhielt sich allerdings später eine Burenabteilung, die die übrigen zwei Pferde ohne viel zu fragen mitten auf der Straße ausspannte und mitnahm. Die Bäckerei war dadurch ruiniert, denn Eschner hatte hauptsächlich für den Johannesburger Markt gearbeitet, war also auf ein Transportmittel angewiesen "). Besonders tragisch war das Schicksal des österreichischen Veterinärarztes Dr. Vladimir Ritter von Grabowski: „Gelegentlich des Einmarsches der Briten in Johannesburg vertheilte er an die Soldaten Thee, Kaffee und Brot, wurde daher von der Menge insultiert und ein Kaffer schlug ihm mit einem Steine das linke Auge aus. Da er am rechten Auge schon blind war, trat vollkommene Blindheit ein. Den Curen von verschiedenen europäischen Specialisten ist es gelungen, ihm ein minimales Sehvermögen wiederzugeben. Der Mann ist jedoch fast vollkommen erwerbsunfähig und dabei arm“ 10l)). Die britischen Behörden bewilligten ihm schließlich eine Abfindung von £ 500,—, etwa ein Zehntel der von Grabowski geforderten Summe. Grundsätzlich wäre zu der Frage der Entschädigungszahlungen zu bemerken, daß die britische Regierung den Standpunkt vertrat, „..., dass ein Anspruch auf Ersatz des durch die Kriegsoperationen entstandenen Schadens überhaupt de jure nicht besteht und, was immer gegeben wird, ex gratia gewährt wird. Ein voller Ersatz ist denn auch nicht in Aussicht genommen, ... [wobei] hauptsächlich denjenigen Ersatz gewährt werden soll, die ohne Unterstützung ,nicht weiter existiren könnten*. Man will damit den Pauperismus in Südafrika bekämpfen ... Eine Erhöhung der vom Parlamente votirten Summe von 2 Millionen Pfund zur Befriedigung sämmtlicher Ansprüche ist ebenfalls ausgeschlossen ... Absolute Gleichmäßigkeit der Vertheilung ist der Grundsatz, nach dem vorgegangen werden soll...“ 99 * 101). Wie bereits erwähnt, wurden durchschnittlich etwas über zehn Prozent der jeweils beantragten Entschädigung bewilligt, wovon jeweils ein Drittel sofort (1903), der Rest aber erst später ausbezahlt wurde 102). 99) Protokolle 1901 November 16 und Dezember 3, Littau: Admin. Reg. F 36/17 bei Akt 313. 10°) Kostanjevic an MdÄ n. LXIII, 1903 November 12, Pretoria: Admin. Reg. F 36/21 Akt 27/407. n>i) Mensdorff an MdÄ n. XXXVI D, 1903 Juni 19, London: Admin. Reg. F 36/21 Akt 27/372. i»2) Ramberg an MdÄ n. LXVIII, 1903 November 7, Pretoria: Admin. Reg. F 36/21 Akt 27/406.