Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)

SCHMIDL, Erwin A.: Zur Geschichte der k. (u.) k. Konsularvertretungen im südlichen Afrika bis zum Ersten Weltkrieg

K. u. k. Konsularvertretungen im südlichen Afrika 245 Natürlich kamen außer den Ausgewiesenen auch andere ausländische Zi­vilisten durch den Krieg zu Schaden. Es wurden in Südafrika selbst noch während des Krieges Kommissionen gebildet, die die verschiedenen Scha­denersatzansprüche zu prüfen hatten. Ansprüche ausländischer Unterta­nen wurden meist durch die jeweiligen Konsularvertreter eingebracht. Ausländer schnitten bei der Erledigung ihrer Ansprüche im allgemeinen etwas besser ab als Buren oder auch Engländer — im Durchschnitt wurde aber bloß ein Zehntel der geforderten Entschädigungen bewilligt, und selbst diese Summen wurden erst ab 1903 in Raten ausbezahlt. Österrei­cher und Ungarn erhielten oft geringfügig höhere Prozentsätze zugespro­chen als die Angehörigen anderer Nationen — eine der Folgen der sehr wohlwollenden Haltung, die die Donaumonarchie während des Buren­krieges gegenüber Großbritannien bewiesen hatte. Als Beispiele für die Schicksale österreichischer Zivilisten während des Krieges seien in der Folge einige Fälle kurz dargestellt. Josef Guerini zum Beispiel hatte sich bei Pretoria als Farmer niederge­lassen. Bald nach dem Einmarsch britischer Truppen im Transvaal wurde seine Farm von Soldaten geplündert und Frau Guerini, als sie sich dem widersetzen wollte, brutal niedergeschlagen. Einige Monate später er­tappte der schon schwer geschädigte Landwirt einen in britischen Diensten stehenden Eingeborenen beim Stehlen und wollte ihn zur Rede stellen, „derselbe riß sich los und schlug Frau Guerini auf der Flucht auf die Schultern mit einem Stück Holz, so daß ihr Arm bleibend gebrauchsunfähig wurde“ 95). Auch Marco Baricievich hatte unter dem Krieg zu leiden. Er hatte sich in Pieterburg als Kaufmann niedergelassen und besaß auch ein Hotel; letzteres wurde aber von britischen Truppen in ein Fort umgewandelt, der Besitzer gefangen nach Pretoria abgeführt...96). Josef Ratz, Besitzer der Farm Driefontein bei Johannesburg, wurde durch den Krieg völlig ruiniert. In der Nähe des Gutes fand ein Gefecht statt; die Buren und dann die Briten stahlen die Zaunpfähle und alle Holzteile des Hauses, um Lagerfeuer zu machen. Auch eine Baumpflanzung von 36.000 Bäumen wurde verbrannt, Wagen und Pferde von der Farm weg­geführt und das Mobiliar verschleppt. Seine Verluste bezifferte Ratz mit £ 1240,15,—. Sein Anspruch wurde von der Entschädigungskommission zwar grundsätzlich anerkannt, ihm wurden aber lediglich £ 60,— zuge­sprochen. Der frühere „stolze Farmer“ mußte sich als Schankbursche mehr schlecht als recht seinen Lebensunterhalt verdienen ...97). Besonders hart betroffen waren natürlich diejenigen, die auch noch für 9r>) Pitner an MdÄ Z 19 P, 1901 September 9, Pretoria: Admin. Reg. F 36/16 Akt 217 (bei 261), Beilage n. 11. 96) Ebenda Beilage n. 1. 97) Kostanjevic an MdÄ n. LXIII, 1903 November 2, Pretoria: Admin. Reg. F 36/21 Akt 27/407.

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