Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

NOFLATSCHER, Heinrich – SPRINGER, Elisabeth: Studien und Quellen zu den Beziehungen zwischen Rudolf II. und den bosnischen Christen

44 Heinrich Noflatscher — Elisabeth Springer Geburt, verfaßte im Jahre 1609 eine umfangreiche Geschichte des Prio­rates Vrana von dessen Gründung durch den Templerorden an bis auf seine Zeit* 80). Zu dieser ausführlichen Darstellung hatte ihn Bertucci im Jahre 1608 in Rom (!) 81) angeregt, weshalb Marnavich seiner Darstellung auch eine Widmung an Bertucci, „dignissimo Priore della Wrana nelli Regni d’Ungaria, Dalmatia, Croatia“, voranstellte. Aus dem Jahr 1620 ist eine zeitgenössische Kopie dieser Abhandlung erhalten, die eine zu­sätzliche Vorrede des Malteserritters Cristoforo Tarnofschij (auch Tar- nouski, Tarnoschi) an Geronimo di Guevara, den Gesandten des Malteser­ordens beim päpstlichen Stuhl, enthält. In beiden Vorreden werden die jahrelangen Verdienste Bertuccis um die Wiedergewinnung von Vrana und dessen Gütern für den Malteserorden eindringlich hervorgehoben. Offenbar war dies Bertuccis Hauptbeschäftigung in seinen letzten Lebens­jahren. 1625 plante er nochmals eine Generalinsurrection aller Balkanchristen gegen die Türken und versuchte diesmal König Philipp IV. von Spanien als obersten Schirmherrn dafür zu gewinnen. Er war um diese Zeit in Neapel und bezog vom Vizekönig eine ständige Pension von 60 Scudi mo­natlich. Die Personen, mit denen er damals verkehrte, sind bezeichnend für ihn: Caspar Scioppius, Publizist und Kontroverstheologe, der seit Jahren in kaiserlichen und päpstlichen Diensten in diplomatischen An­gelegenheiten unterwegs war, andererseits ein Mann griechisch-türkischer Herkunft, der zeitweise unter dem Namen „Alessandro conte di Monte­negro“ reiste, bei günstiger Gelegenheit aber behauptete, ein Sohn Sul­tan Mohammeds III. zu sein, und dann unter der Bezeichnung „Sultan“ Jacchia/Jahya an europäischen Höfen als osmanischer Thronprätendent auftrat82). Auch damals war Bertucci in der Begleitung Tarnofschis, der nun plötz­lich als sein Neffe bezeichnet wird. Während der weiteren Vorbereitun­1929) 1151 bringt unter dem Stichwort Vrana eine nicht ganz zutreffende Nach­richt über einen Discorso dei prioratu della Vrana im Deutsch-Ordens-Archiv Wien, den Tomko Mrnavic dem Bertucci gewidmet habe (siehe folg. Anm.). Bei Fr. Mares Aufstandsversuche der christlichen Völker in der Türkei in den Jahren 1625—1646 in M1ÖG 3 (1882) 266 ist von einem Bischof Johann Marnavic von Bosna (Diakovar) die Rede. 80) Nach Auskunft der Staatlichen Archivverwaltung in Prag befindet sich im Malteserarchiv Wittingau eine „Abhandlung über das Priorat Vrana“ von Johann Marnawich. Im HHStA ist eine zeitgenössische fragmentarische Kopie erhalten: Discorso del Priorato della Wrana di Giovanni Marnavich Bosnese Canonico Sehenico (Hs. Böhm 159 = Weiß 85); hier wurde nur diese letztere benützt. 81) Siehe oben S. 41. 82) Mares Aufstandsversuche 246—300. Das von Mares noch in Wien ein­gesehene grundlegende Material aus dem Schwarzenberg-Archiv kam seither nach Krumau/őesky Krumlov (ŐSSR) in staatliche Verwaltung. Vgl. auch Bartl Westbalkan 179—189.

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