Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

518 Literaturberichte und Abnahme der öffentlichen Resonanz von Schönerers Politik weiterer sozialhistorisch-systematischer, insbesondere auch regional-exemplifizie- render Analysen. Günter Schödl (Erlangen) Eduard März österreichische Bankpolitik in der Zeit der großen Wende 1913—1923. Am Beispiel der Creditanstalt für Handel und Gewerbe. Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1981. 608 S., 8 Abb. Der bekannte Bankhistoriker hat mit diesem Buch die Fortsetzung zu seinem Werk Österreichische Industrie- und Bankpolitik in der Zeit Franz Josephs des Ersten geliefert. Als „große Wende“ untersucht M. eine drei­fache Wende in der Österreichischen Geld- und Bankpolitik dieses Jahr­zehnts: 1) von der Friedenswirtschaft zur Kriegswirtschaft, 2) die Umstel­lung auf die nach 1918 radikal veränderten Rahmenbedingungen, als Wien nicht mehr das Handels- und Finanzzentrum eines großen Reiches und Wirtschaftsgebietes, sondern nur noch das Zentrum eines kleinen Staates war, 3) die Rückkehr zu einer stabilen Währung. Für diese Untersuchung hat der Vf. ein breites Quellenmaterial ausgewertet, und zwar die ein­schlägigen Akten des österreichischen Ministerrates, des Handels-Ministe­riums und des Finanz-Ministeriums, ferner die Österreich betreffenden Akten des amerikanischen State Department, des Britischen Foreign Of­fice und des Deutschen Reichs-Wirtschaftsministeriums. Sehr viel gerin­ger war der Anteil der Quellen aus dem Bankenbereich: Hier standen nur die Verwaltungsprotokolle und die Geschäftsberichte der Creditanstalt zur Verfügung, da aus der unmittelbaren Banktätigkeit den Historikern leider nicht viele Quellen zugänglich sind. Der Vf. hat diesen Mangel durch intensive und ergiebige Benutzung der publizistischen Quellen und der zeitgenössischen Literatur ausgeglichen. Er hat damit zugleich demon­striert, in welch hohem Maße die jeweils zeitgenössische Literatur zur Quelle für die Wirtschaftsgeschichte werden kann. Wegen der mannig­fachen Beziehungen und Vergleiche zum Deutschen Reich hätte die Her­anziehung der Arbeiten von Holtfrerich, Feldmann, Laursen/Pedersen und Rössler die Behandlung einiger Probleme (Kriegsfinanzierung, Inflations­erklärung) noch bereichern und vertiefen können. Trotz dieser kritischen Anmerkung sei als allgemeines Urteil schon vorweg gesagt, daß dieses Buch ein wichtiger, solide gearbeiteter und gut und interessant geschrie­bener Beitrag zur Geld- und Bankengeschichte des 20. Jahrhunderts ist. Die Entwicklungen im Geld- und Kreditwesen werden nicht isoliert, sondern im Zusammenhang der politischen Geschichte und der allgemeinen Wirtschaftsgeschichte dargestellt. Auch die Lagebeurteilung und Stim­mung der Zeitgenossen wird anschaulich gemacht. So bietet das Buch eine Fülle interessanter Informationen. Das historische Urteil des Vf’s beruht auf unvoreingenommener Ermittlung der Kausalzusammenhänge und dem Bemühen um das Verstehen der Vergangenheit.

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