Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

NOFLATSCHER, Heinrich – SPRINGER, Elisabeth: Studien und Quellen zu den Beziehungen zwischen Rudolf II. und den bosnischen Christen

38 Heinrich Noflatscher — Elisabeth Springer Gralini war sicher ebensoviel auf Reisen wie Bertucci. Nachweisen läßt sich, daß er 1596 in Prag weilte, dann die Eroberung von Clissa aus rela­tiver aber ungefährlicher Nähe beobachtete. Im Juni suchte er Harrach in Mannersdorf an der Leitha auf, betrieb die Befreiung Bertuccis aus türkischer Haft und kam noch im gleichen Jahr wieder nach Prag. Er war einer der Haupt-Agitatoren des Projekts, im Jahre 1597 neuer­lich eine Eroberung Clissas zu versuchen. Nach den Berichten des vene­zianischen Provveditore in Colfo soll er im Sommer 1597 als „bosnischer Prokurator“ in Prag gewesen sein 40). Erst im September 1599 ist ein Aufenthalt in Prag wieder bezeugt, als er einen beträchtlichen Forderungskatalog an die Hofkammer ein­reichte 41). Er ist damals in Prag offenbar nicht mit Bertucci zusammen­getroffen, denn dieser hatte Prag am 15. August 1599 plötzlich verlassen 42 43). War Gralinis Erscheinen in Prag die Ursache für Bertuccis Verschwinden? Dies wird sich wohl schwer nachweisen lassen, doch kann Gralini seit diesem Zeitpunkt nicht mehr als Begleiter Bertuccis, sondern eher als sein Verfolger bezeichnet werden: Fast zwanzig Jahre hindurch versuchte er vergeblich, zu dem ihm schuldigen Geld zu kommen! Bertucci war offensichtlich stets in Geldnöten. Seine ständigen Bemühun­gen am Kaiserhof, Titel und Einkünfte eines nur theoretisch bestehenden Priorates des Malteserordens für Ungarn 4S) zu erhalten, sind primär unter diesem Aspekt zu sehen. Einen diesbezüglichen Antrag legte er seinem Gönner, dem Reichshof rat Dr. Johann Anton Barvitius 44), im Jahre 1599 vor. Unter dem Datum des 24. März 1601 wurde das von der kaiserlichen Kanzlei bereits formulierte Dekret als nicht zur Ausführung bestimmt ab­gelegt45). Auch zu diesem Zeitpunkt war Bertucci in Prag46); konkrete Hintergründe für diese Ablehnung lassen sich nicht nachweisen. Ab 1601 scheint Bertucci sich im wesentlichen in Prag aufgehalten und neuerlich versucht zu haben, eine ständige Pension oder eine größere Geldsumme zu erhalten. Obwohl sein letzter Aufenthalt in Prag 1599 mit viel Ärger geendet hatte, wurde er nun plötzlich zu einer Art Dauer­gast. Eine solche Vorgangsweise wird leichter erklärbar, wenn man be­denkt, daß seit seinem früheren Auftreten am Kaiserhof ein radikaler Wechsel stattgefunden hatte: Einige der wichtigsten Minister und Beamten Kaiser Rudolfs II. waren in Ungnade gefallen und durch neue ersetzt worden. Dieser Wechsel hängt mit einer persönlichen Krise des Kaisers im 40) Tomié Grad ja za historiju n. 188. «) HKA Hoffinanz Bd. 522 fol. 331 v. 42) Vgl. Springer Bertucci 103. 43) Ebenda 81 und Dokument n. 18. 44) Zu Barvitius vgl. Oswald Gschließer Der Reichshofrat. Bedeutung und Verfassung, Schicksal und Besetzung einer obersten Reichsbehörde von 1559 bis 1806 (Veröffentlichungen der Kommission für neuere Geschichte Österreichs 33, Wien 1942) 153, 158. 43) Vgl. Springer Bertucci 104. 4«) Briefe Bertuccis aus Prag bei Bartl Westbalkan 104.

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