Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

458 Literaturberichte allein die Quellen, sondern auch den hervorragenden Kommentar der Be­arbeiter zu benützen. Nach einer kurzgefaßten Einleitung über das Schick­sal des Buches und die Zielsetzung der Herausgeber werden die Richt­linien für die Edition dargelegt. Auf eine Übersicht über die wichtig­sten Archive und die grundlegende Literatur folgen insgesamt 426 Stük- ke verschiedenster Art, die sich auf den Bauernkrieg beziehen und die Zeit vom 17. Juni 1513 bis zum 20. Februar 1584 umfassen. Dieser auf­fallend lange Zeitraum erklärt sich daraus, daß die Wiedergutmachung der von den Aufständischen verursachten Schäden sich durch viele Jahr­zehnte hinzog. Dementsprechend wird auch fast die Hälfte des Bandes von Quellen, die sich mit derartigen Auswirkungen des Bauernkrieges befassen, eingenommen. Es würde zu weit führen, hier auf die ein­zelnen Stücke der Sammlung näher einzugehen. Immerhin sei darauf hingewiesen, daß der Anteil deutschsprachiger Stücke relativ hoch ist und daß diese Stücke auch einen wichtigen Stellenwert besitzen. Genannt seien die beiden ausführlichen Berichte des Kaplans Matthias Künisch und des Burggrafen Georg Prantner an den Markgrafen Georg von Bran­denburg (nn. 179 und 180), vor allem aber die ausführliche und in meh­reren Fassungen überlieferte deutschsprachige Darstellung des Aufstandes (n. 227), in der die gegenseitigen Grausamkeiten und schließlich auch das entsetzliche Ende des Georg Székely unter der Überschrift „Gott hab Lob!“ in allen Einzelheiten gebracht werden. Erwähnt sei, daß neben den lateinischen, deutschen und italienischen Stücken auch einzelne in spanischer und tschechischer Sprache aufgenommen wurden. Der besondere Wert dieser Zusammenstellung liegt zweifellos darin, daß man nicht nur ein Bild vom unmittelbaren Ablauf der Revolte erhält. Die Quellen machen einerseits die Vorgeschichte einschließlich der ver­hängnisvollen Kreuzzugsbulle deutlich, sie zeigen aber auch in eindrucks­voller Weise die Aus- und Nachwirkungen des ungarischen Bauern­kriegs. Im Gegensatz zu den oft drastischen Darstellungen der Historio­graphie erhält der Leser hier ein sehr nüchternes, aber in vieler Hinsicht noch aufschlußreicheres Bild von dieser größten Massenbewegung im mit­telalterlichen Ungarn. Mit welcher Akribie die Bearbeiter ans Werk gegangen sind, zeigen die überaus sorgfältigen Register, die dem Band beigegeben sind. Auf einen chronologischen Index folgt ein Register der Namen, ein Sachregister sowie eigene Register für die böhmischen, deutschen, ungarischen, italie­nischen und lateinischen Worte und ein Inhaltsverzeichnis in Form von Kurzregesten. Beigegeben sind dem Band schließlich noch eine große Anzahl von Schriftproben, zwei Tafeln über die Bewaffnung und ins­gesamt 18 Siegelabbildungen. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß den Herausgebern mit diesem Band ein Musterbeispiel sorgfältiger Quellenarbeit gelungen ist, das gera­de in der gegenwärtigen Zeit des großen Interesses an den Bauern­kriegen die Kenntnis über den großen ungarischen Bauernaufstand 1514

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