Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)
SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich
Referate 425 Grafen Coronini und unterstreicht, daß dessen mit sozialdarwinistischen Argumenten arbeitende Schriftstücke schon durch ihr Pathos als Äußerungen eines Träumers, nicht eines Politikers zu bezeichnen sind und daß sie nicht an die Vorgesetzte Dienststelle (Militärzentralkanzlei), sondern an Prokesch gerichtet waren. Der Kaiser dagegen habe Napoleons Vorschlag der Einsetzung eines Erzherzogs in den Donaufürstentümern abgelehnt, und Buol beklagte sich wiederholt über das Dilettieren der Generäle in der Politik, besonders bezüglich Coronini und Hess; ja dies war sogar ein Argument für eine vorzeitige Beendigung der Okkupation. Ähnlich wurden Vorschläge des stellvertretenden Zivil- und Militärgouverneurs von Dalmatien FML Mamula hinsichtlich Montenegros sofort von Grünne abgelehnt. Die vorliegende Edition bringt also eine Fülle neuer Gesichtspunkte für die Erforschung des Krimkriegs und der europäischen Mächtepolitik in diesem Zeitraum. Es ist nur zu hoffen, daß auch die übrigen geplanten Reihen erscheinen können. Walter Wagner, (Wien) Anschluß 1938. Protokoll des Symposiums in Wien am 14. und 15. März 1978 (Wissenschaftliche Kommission des Theodor-Körner-Stiftungsfonds und des Leopold-Kunsehak-Preises zur Erforschung der österreichischen Geschichte der Jahre 1918 bis 1938: Veröffentlichungen 7, hg. von Rudolf Neck und Adam Wandruszka. Gesamtredaktion Isabella Ackerl). Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1981. 464 S. Dieser Band ist die siebente Folge des „Zwanges der Jubiläen“, worunter die bei Zeithistorikern bekannte Organisation „mit dem langen Namen“ und mit ihr eigentlich die ganze österreichische zeitgeschichtliche Forschung leidet. Er sammelt die Referate und Diskussionsbeiträge einer Tagung im März 1978 über ein Thema, das — wie die Organisatoren der Tagung und die Herausgeber dieses Bandes, Rudolf Neck und Adam Wandruszka, im Vorwort schreiben — „in das tiefste Dunkel unserer jüngsten Vergangenheit“ führt. Ein Thema also, das, wenn man ein interessiertes, zum Teil aus Zeitgenossen des Anschlusses bestehendes Publikum zusammenbringt, unbedingt Emotionen bewirken muß, denn in der Auseinandersetzung über den Anschluß kommen immer wieder zwei extreme Strömungen zum Wort: Erstens gibt es Leute, für die der Anschluß ein Überfall Deutschlands schlechthin war, den Österreich nicht verhindern konnte und den niemand in Österreich sich gewünscht hatte. Andererseits werden Stimmen laut, der Anschluß wäre ohne Mitarbeit wichtiger Kräfte in Österreich unmöglich gewesen. Aus den Diskussionsbeiträgen ist zu schließen, daß es auf der Tagung tatsächlich manchmal Aufregung gab. Dies hat, jedenfalls in diesem Fall, den Nachteil, daß gegenüber quellenmäßig belegbaren Überlegungen und sorgfältig erarbeiteten Hypothesen persönliche Erinnerungen vorge