Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)

AULINGER, Rosemarie: Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532. Meldungen an den Reichstag

154 Rosemarie Aulinger Ähnliches hatte auch der Salzburger Erzbischof in Erfahrung gebracht, „quod Turea faciat magnos apparatus per mare et terram, sed nesciatur quo isti tendant“31). Die türkische Flotte bestünde aus 170 Schiffen aller Gattun­gen; in dieser Zahl wären auch die Schiffe des Chair-ed-Din Barbarossa32) enthalten. Am 21. und 22. Februar würden alle türkischen Fürsten mit ihren Truppen in Richtung Ungarn dirigiert, ebenso ein Teil der Schiffe, während der andere gleichzeitig Apulien und Sizilien angreifen sollte33). Am selben Tag (25. April 1532) wurde dem großen Ausschuß auch ein Bericht bayerischer Kaufleute verlesen, die bis Ostern (31. März) 1532 in Ungarn ge­weilt hatten34). Obwohl Herzog Wilhelm IV. und Herzog Ludwig X. von Bay­ern stets mit Johann Zápolya sympathisiert hatten und noch 1532 auf einen Ausgleich zwischen Ferdinand, den sie weder als ungarischen noch als römi­schen König anerkennen wollten, und Zápolya drängten, wird in dem von ihnen vorgelegten Bericht die Lage in Ungarn keineswegs verharmlost, wenn auch weniger drastisch und im Sinne von König Johann dargestellt. Hie­ronymus Laski, der Gesandte Zápolyas in Deutschland, der an vielen Für­stenhöfen für seinen Herrn warb und bei den antihabsburgisch gesinnten Reichsständen auch auf Unterstützung hoffen durfte, mußte während des Reichstags bald erkennen, daß die Lage in Ungarn im wesentlichen aus der Perspektive der Türkengefahr, nicht aber im Interesse Zápolyas behandelt werden sollte35). Selbst das dem Woiwoden freundlich gesinnte Bayern konnte sich der Angst vor einem neuerlichen Angriff der Türken gegen Wien 31) ME A RTA 6 a/2 fol 90v (von 1531 Dezember bis 1532 März 5). 32) Der Piratenfürst Chair-ed-Din Barbarossa stellte sich mit seiner Flotte (etwa 150 Schiffen) Süleyman zur Verfügung, um die Kräfte Karls V. zu binden, der dadurch — neben einer Landtruppe in Österreich — auch eine Armada zur Verteidigung Spani­ens und Italiens aufstellen mußte: vgl. Turetschek Die Türkenpolitik 321. 33) MEA RTA 6 a/2 fol. 90v: 1532 März 11 und 15. Die Zahl der angegebenen Schiffe kann nicht stimmen, wenn sowohl Gritti, der die türkische Donauflottüle vor Gran befehligte, als auch Barbarossa je 150 Schiffe zur Verfügung hatten: vgl. dazu Kretschmayr Gritti 45; Turetschek Die Türkenpolitik 321f. Angaben über die Zahl der bereitliegenden Schiffe auch in der Copey lautter abschrift . . . (vgl. unten S. 164 mit Anm. 88), von denen ein Teil nach Korfü - und damit in Richtung Italien - auslief. Dem Genuesen Andrea Doria gelang es 1532, Patras und Castelnuovo einzu­nehmen, womit er einen großen Teü der griechischen Küste kontrollierte. Zu Doria vgl. Eduard Graf Wilczek Andrea Doria als Seemann und kaiserlicher Admiral in Historische Genrebilder vom Mittelmeer (Wien 1894) 1-113, bes. 57-60; Hammer- Purgstall Geschichte 2 96f; Ivo Luzzatti Andrea Doria (1466-1550) (Mailand 1943) 123f; Jósé García Mercadal Juan Andrea Doria. Condottiere y almirante del Emperador Carlos V. (1466-1560) (Madrid 1944) 143. 34) MEA RTA 6 a/2 fol. 91r-92r. Zur Politik Bayerns vgl. u. a. Alfred Kohler An­tihabsburgische Politik in der Epoche Karls V. Die reichsständische Opposition gegen die Wahl Ferdinands 1. zum römischen König und gegen die Anerkennung seines Kö­nigtums (1524—1534) (Habilitationsschrift Wien 1980), erscheint voraussichtlich in der Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. 35) Laski, der schon vor Beginn des Reichstags in Deutschland weilte, ließ den Reichsständen während der Versammlung zwei Briefe Johann Zápolyas vorlegen, in denen dieser seine Treue zum Christentum beschwor. Die beiden Begleitschreiben, ei­

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