Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)

RILL, Gerhard: Die Hannart-Affäre. Eine Vertrauenskrise in der Casa de Austria 1524

Die Hannart-Affäre 145 in der Instruktion zusammengefaßt werden, auch ohne Wolff vorhanden wa­ren. Etwa zehn Jahre später leitete der Kaiser eine der Gillis-Mission ähnli­che Erkundungsaktion in die Wege, wobei Salinas, der spanische Sekretär Ferdinands Cristobal Castillejo und sogar Cles vertrauliche Informationen über den österreichischen Hof liefern sollten258). 15 24 fand sich Ferdinand nur zögernd und mit deutlichen Zeichen der Empörung mit dem beschämen­den Vorfall ab. Im März — also gerade zu jener Zeit, in der die Hannart-In­struktion erstmals aufgetaucht sein dürfte - belehnte Ferdinand Salamanca mit der Grafschaft Ortenburg259). Im Juni erteilte er eine Instruktion für Ge­spräche mit Karl, in der die schärfsten Vorwürfe stehen, die Ferdinand bis dahin gegen seinen Bruder erhoben hatte. Der Kemteil enthält, wenn man ihn von versöhnlichen Floskeln befreit, sinngemäß die Forderung, der Kaiser möge endlich den Bankrott seiner Alleinregierung im Reich zugeben und die Konsequenzen daraus ziehen260). Die ungeklärte Hannart-Affäre bildet dabei nur einen Punkt unter vielen — und viel folgenreicheren —, ihr Gewicht lag jedoch darin, daß sie nicht nur als Instrument für eine politische Korrektur des Salamanca-Regimes aufgefaßt worden sein kann. Ferdinand, der die In­struktion zweifellos für eine echte Maßnahme Karls hielt und nur aus Räson von dieser Überzeugung verbal abrückte, muß sich erneut der permanenten Kontrolle durch den allgegenwärtigen Bruder, die scheinbar immer noch zu einer Verringerung seiner Machtbasis ohne Rücksicht auf Teüungsverträge führen konnte, bewußt geworden sein, ebenso seines Unvermögens, die Inge- renz des spanischen Hofes (der sich in diesem Fall noch dazu eines häreti­schen Fürsten bediente) auf den innersten Bereich fürstlicher Ratseinholung und Entschließung zu unterbinden. Salamanca blieb auch in der unmittelba­ren Machtsphäre des Erzherzogs ein Geduldeter, eine Auswechslung im eng­sten Beratergremium nach dem Geschmack Karls oder Gattinaras schien wie einst im Bereich des Möglichen zu liegen, — nur die Methoden hatten sich seit 1517 geändert. Die Ereignisse des Jahres 1525 und die Bedrohung der Casa de Austria durch äußere und innere Feinde in der folgenden Zeit verhinder­ten durchaus vorstellbare Konsequenzen dieser Vertrauenskrise und verfe­stigten das Jahrzehnte anhaltende Arrangement, für das von Anfang an die monströse Konzeption einer an zwei Körper geketteten Seele als Sinnbild vorhanden war261). Die Hannart-Affäre beweist einerseits die Stabilität die­258) Rodriguez Villa Carlos V 611f, 627f, 667f, 678-83. 259) Stern Salamanca 26. 260) Instruktion für Bredam, 1524 Juni 13: FK 1 152-184 n. 76, bes. die Punkte 23-34; erst in Punkt 60 die Hannart-Frage. 261) „. . . qui [Karl und Ferdinand], quamvis sint duo corpora, tamen habent in om­nibus unum animum conformem et unum velle et unum nolle . . .“; zit. bei Gerhard Rill Humanismus und Diplomatie. Zur Geschichte des Gesandtenwesens unter Ferdi­nand I. in MÖStA 25 (1972) 572 Anm. 28. Ähnlich schon Gattinara 1519 in der An­sprache an die österreichische Abordnung: „Sein Mt. und derselben brueder sein zwo person, aber im gemueth ains und unzertheilt“: FRA 1/1 193 (nach dem Herberstein- Tagebuch). Daß diese Art der Emblematik in der Casa de Austria nicht neu war, zeigt eine interessante Konstruktion Maximilians aus dem Jahre 1498 ( .......que es un cuerpo Mitteilungen, Band 34 10

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