Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 32. (1979)

NECK, Rudolf: † Hanns Leo Mikoletzky

Nachrufe 495 dichtem. Persönlich zeigte er mannigfaltige Talente und Neigungen zur Poe­sie, konnte auf lyrische Produktionen hinweisen und hat in der Spielzeit 1936/37 beim Burgtheater in Wien ein dramatisches Werk Der Hochstapler eingereicht. Doch kehren wir zurück zum Historiker und Archivar Mikoletzky. Er hat sich nie damit begnügt, seine wissenschaftüche Tätigkeit auf den Rahmen akademischer Veranstaltungen zu beschränken, sondern diesen immer wieder in seinen Vorträgen, aber auch mit Publikationen überschritten und ge­sprengt. Geschichte war für ihn etwas Lebendes und ein Gegenstand der Volksbildung, vor allem auf dem Erwachsenensektor. Unter anderem wurde er so 1955 außerordentliches und 1965 ordentliches Mitglied der Katholi­schen Akademie in Wien. Im Rahmen der einschlägigen Internationalen Kommissionen der UNESCO und des Europarates erfolgte seine Mitarbeit an der Reform der Schulbücher. Hier konnte er in zahlreichen Kontakten mit dem Ausland seine humanistischen Vorstellungen zur Völkerversöhnung verwirklichen. Namentlich zu Italien, aber auch zu unseren anderen Nach­barvölkern unterhielt er auf diesem Sektor enge Beziehungen und pflanzte lebensträchtige Wurzeln der Verständigung auf einem Gebiet, auf dem chau­vinistische Entgleisungen die schlimmsten Folgen zeitigen können. Vielleicht war hier auch das alte übernationale Erbe Altösterreichs bei ihm besonders lebendig. Eines Hinweises bedarf auch zuletzt noch seine vielfältige organisatorische Tätigkeit. Dem Verfasser steht noch immer die Erinnerung an seine Anfangs­zeiten im Sommer und Herbst 1949 im Haus-, Hof- und Staatsarchiv vor Au­gen, als er als Benjamin unter den Archivaren Mikoletzky bei der Vorberei­tung des ersten Österreichischen Archiv- und Historikertags als „Adjutant“ zugeteüt wurde. Er verbindet diese persönliche Reminiszenz mit einem Aus­druck des Danks für das, was er damals für seine eigene spätere Praxis ge­lernt hat. Auch soll hier weiters dankbar daran erinnert werden, daß Miko­letzky in den Anfängen der Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs bis 1951 diese Zeitschrift redigiert hat. Daß sie sich sobald durchsetzen konnte, ist nicht zuletzt ihm zuzuschreiben. Mikoletzky hat in der Folge als Generalsekretär des Verbandes österreichischer Geschichtsvereine u. a. an den Vorbereitungen des Internationalen Historikerkongresses in Wien 1965 maßgebend mitgearbeitet, wie er auch in den Gremien der verschiedenen in­ternationalen Archivorganisationen als Vertreter Österreichs mitwirken konnte. Dem Verstorbenen sind im Laufe seines arbeitsreichen Daseins zahlreiche Ehrungen zuteü geworden, aus seiner Heimat und aus dem Ausland. Er wurde mit Ehrenmitgliedschaften vieler Akademien und Vereine, mit Hono­rardoktoraten und Orden ausgezeichnet. Besonders gefreut hat es ihn, daß ihm anläßlich seiner Pensionierung Ende 1972 das große silberne Ehrenzei­chen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen wurde. Im September 1936 hatte Mikoletzky Karoline Haase Edle von Wranau ge­heiratet. Der überaus glücklichen Ehe entsprossen zwei Söhne, die beide sich

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