Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 31. (1978) - Festschrift für Richard Blaas
Gottfried MRAZ: Die Bedeutung des „Anschlusses“ für die Beurteilung des Nationalsozialismus durch die römische Jesuitenzeitschrift „Civiltä Cattolica“
Beurteilung des Nationalsozialismus durch die „Civiltä Cattolica“ 503 führt, daß es das Anliegen der Redakteure sein müsse, „gliscentes huius nostri temporis errores ac nefaria scripta strenue et considerate refellere“5). Etliche Jahre später heißt es in der päpstlichen Bestätigung der neu errichteten Ordensniederlassung für die Mitarbeiter der Zeitschrift, daß sie mit der Feder für die Verteidigung der katholischen Religion und des Heiligen Stuhles („pro catholicae religionis et huius Sanctae Sedis defensione“) zu wirken hätten6), eine Aufgabe, die nur eine Konkretisierung des einstigen genuinen Zieles dieses Ordens darstellte. Im ersten Saeculum ihres Bestandes änderte sich auch nichts an den Zielsetzungen. So konnte denn Pius XII. wenige Wochen nach seiner Wahl der Civiltä Cattolica für ihr bisheriges Wirken danken und sie ermahnen, in ihren Bemühungen fortzufahren: „Quapropter ... in cotidianis de vita nationum religiosa ac sociali concertationibus, in eventis vel laetis vel tristibus, quae Ecclesiae vitam comitantur, diiudicandis, vos normas, praescripta atque optata Sedis huius Apostolicae ante oculos constanter posuistis ac fideliter proponere pergitis“7). Ergebenheit und Treue zum Heiligen Stuhl bilden in dieser Zeitspanne den Kern der Selbstaussagen der Civiltä Cattolica 8). Im deutschsprachigen Raum hat sich kaum jemand eingehender mit der Civiltä Cattolica und ihrer Bedeutung für das Verständnis der Haltung des Heiligen Stuhles zu aktuellen Fragen beschäftigt, wenn man von Friedrich Engel-Jánosi absieht, der in seinem Buch Vom Chaos zur Katastrophe zu wiederholten Malen auf die Aussagen dieser Zeitschrift Bezug genommen hat9). Zum leichteren Verständnis seien noch ein paar technische Angaben angeführt. Die Civiltä Cattolica erschien im Berichtsraum in einem Abstand von zwei Wochen. Redaktionell sind drei Teile klar voneinander zu unterscheiden. Zunächst nehmen die großen Artikel und Artikelserien, meist zu aktuellen Themen aus dem Bereich der Religion, der Wissenschaft und der Politik, den umfangmäßig bedeutendsten Raum ein, es folgt die „Rivista della Stam- pa“ mit zum Teil sehr fundierten und ausführlichen Rezensionen; daran schließt sich als letzter Teil die „Cronaca contemporanea“, eine Berichterstattung über das Weltgeschehen, die in drei Abschnitte: Heiliger Stuhl, Italien und das Ausland gegliedert ist und bisweilen von Korrespondentenberichten ergänzt wird. 5) Acta summorum pontificum Pii IX, Leonis XIII, Pii X, Pii XI et Pii XII quae spectant ephemeridem: „La Civiltä Cattolica“ eiusque collegii constitutionem (Roma 1965) 5. 6) Ebenda 8f. ^ Ebenda 26. 8) Mraz Kirche IXf. ’J Friedrich Engel-Janosi Vom Chaos zur Katastrophe. Vatikanische Gespräche 1918 bis 1938 (Wien 1971). Italienische Übersetzung mit einer Einleitung von Giovanni Spadolini: II Vaticano fra fascismo e nazismo (Firenze 1973).