Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 31. (1978) - Festschrift für Richard Blaas
Kurt PEBALL: Führungsfragen der österreichisch-ungarischen Südtiroloffensive im Jahre 1916 - @1 NECK: Zu den österreichisch-italienischen Archivverhandlungen nach dem Ersten Weltkrieg
österreichisch-italienische Archiwerhandlungen 435 der Wiener Sammlungen eine eigene Studie über die Nachkriegszeit angekündigt1). Diese liegt auch tatsächlich vor und nimmt sogar kurz auch auf Archivfragen Bezug2). Allerdings konnte sich der gründliche Gelehrte wegen der damals noch aufrechten Archivsperre für diese Zeit nicht auf eine so breite Quellenbasis wie in seinem großen Werk, sondern hauptsächlich auf privates Schriftgut stützen. Da im österreichischen Staatsarchiv die einschlägigen Bestände jetzt frei zugänglich sind, ist die Lage inzwischen wesentlich besser; es handelt sich jedoch um weit verstreute und unübersichtlich angeordnete Materialien, die in ihrer Masse noch der Erschließung harren. So sind wir in bezug auf die Archivfragen noch immer auf die verschiedenen Veröffentlichungen Ludwig Bittners angewiesen, der dabei natürlich besonders das Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv berücksichtigt, freilich auch immer wieder allgemein auf den gesamten Komplex des Archivwesens eingeht3). Diese Arbeiten bilden angesichts der Teilnahme des Verfassers an den Verhandlungen, in denen Bittner oft mehr aus dem zweiten Glied heraus eine bedeutende Rolle gespielt hat, eine wichtige Unterlage, die jetzt freilich durch die Erschließung der amtlichen Akten vieler Ergänzungen im Detaü und sicher auch einiger Korrekturen bedarf. Im folgenden soll nur ein sehr begrenzter Sektor der Archivverhandlungen gestreift und beleuchtet werden. Richard Blaas, dem diese Zeilen gewidmet sind, plant selbst eine erschöpfende Darstellung des gesamten Komplexes der diesbezüglichen Verhandlungen mit Italien, die wir von ihm in absehbarer Zeit erhoffen dürfen. Hier sollen nur einige wenige Aspekte der Frage behandelt werden, wie sie sich dem Verfasser aus aktuellem Anlaß darstellen. Seit dem „Verrat“ Italiens im Frühjahr 1915 war dieser Staat der Hauptfeind des untergehenden Habsburgerreiches. Dieses Feindbild galt nicht nur in der öffentlichen Meinung. Auch auf den Schlachtfeldern erwiesen sich die Italiener als harte Gegner, und Österreich-Ungarns Heer erlitt an der italienischen Front in zahlreichen Schlachten und Gefechten wie in einem zermürbenden Stellungskrieg in zum Teil sehr unwirtlichen Gebirgsgegenden seine blutigsten Verluste. Als schon das Ende seiner Herrschaft feststand, ließ Kaiser Karl die Flotte an den eben entstehenden Südslawischen Staat ausliefern, in dem der Feind der ersten Stunde, das verhaßte Serbien, die führende Rolle *) Alphons Lhotsky Geschichte der Sammlungen 2: Von Maria Theresia bis zum Ende der Monarchie (Festschrift des Kunsthistorischen Museums zur Feier des fünfzigjährigen Bestandes 2. Teil, Wien 1940—1945) 662. 2) Dsbe Die Verteidigung der Wiener Sammlungen kultur- und naturhistorischer Denkmäler durch die Erste Republik in MIÖG 63 (1955) 614-649, jetzt in Aufsätze und Vorträge 4 (Wien 1974) 164-211. 3) Ludwig Bittner Die zwischenstaatlichen Verhandlungen über das Schicksal der österreichischen Archive nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungams in Archiv für Politik und Geschichte 3/1 (1925) 58-95; dsbe Das Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv in der Nachkriegszeit in AZ 35 (1925) 141—203, bes. 156-163; dsbe Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs 1 (Wien 1936) 38*-44*. 28*